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Doc DG

durchgeknallt aber glücklich

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:19

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Lia seufzte. Richard hatte sich wieder neben sie gesetzt und sie in den Arm genommen. Sie kuschelte sich eine Weile schweigend an ihn. "Ich muss zum Doc", durchbrach sie einige Zeit später ihr Schweigen. Richard nickte zustimmend. "Willst du dir hier einen suchen oder warten, bis wir zurück sind in Deutschland?" Richard konnte sehen, wie Lia anfing zu überlegen und wundert sich. "Was ist? Worüber denkst du nach?" Lia suchte mit ihrem Blick die Augen ihres Mannes, "ich weiß nicht? Ich.....ich möchte im Moment gar nicht zurück nach Deutschland. Können wir nicht hier bleiben?" Lia spürte, dass Richard überrascht war, über diese Frage. "Das weiß ich nicht, immerhin ist es Sam sein Haus", merkte Richard an. Lia entging der Blick von Richard nicht, der ihr sagte, dass er nicht glauben konnte, was er gehört hatte. "Lia? Bist du dir sicher, dass du hier bleiben möchtest? Du bist aus New York weg geflogen, weil du da niemanden hattest. Hier ist meilenweit noch nicht mal ein Nachbar." Lia war sich tatsächlich nicht sicher, "ich weiß, aber ich würde so gerne, dass das Kind hier geboren wird, also in den Staaten." Richard nahm Lias Gesicht in seine Hände und küsste sie zärtlich. "Morgen wirst du erst mal hier einen Arzt aufsuchen, um sicher zu gehen, dass es dem Wurm auch gut geht und dann sehen weiter, einverstanden?" Lia nickte nur zur Antwort.

"Richard?" "Hm? Was ist?" Beide lagen noch immer zusammen gekuschelt auf dem Bett und Richard strich Lia sanft durch die Haare. "Was ist, wenn es nicht eindeutig hervorgeht, wer der Vater ist?" Richard zuckte unwissend mit den Schultern. "Ich weiß nicht, spielt es denn für dich eine Rolle, wer der Vater ist?" kam nun eine Gegenfrage. "Für mich nicht, aber vielleicht für dich und Sam." Lia rappelte sich ein Stück auf, um Richard ansehen zu können. "Er hat Angst, oder?" Richard überlegte kurz. "Kann gut möglich sein, dass es so ist. Immerhin ist das mit seiner Tochter noch nicht allzu lange her, zumindest wohl nicht aus seiner Sicht." Lia sagte nichts weiter darauf, hatte sie doch miterlebt, wie sehr Sam darunter zu leiden hatte, dass er seine Tochter verloren hatte. Sie erschrak. "Was ist, wenn er das alles gar nicht will? Das kann ich nicht! Ich...nein....", Lia war mitten mal total aufgelöst. Der Gedanke, dass sie Sam verlieren könnte, war unerträglich für sie.

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:19

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Richard ahnte, was in Lia vorging und er zog sie so nah zu sich, wie es nur ging. "Mir ist es egal, von wem der Wurm nun ist. Ich will ihn auf jeden Fall", flüsterte er ihr leise ins Ohr. Er wusste, dass er sie damit nicht beruhigen konnte, was Sam anging. Aber er hoffte, dass es ihr ein wenig weiterhelfen würde, wenn sie wusste, dass zumindest er sie durch alle Höhen und Tiefen begleiten würde. Trotzdem konnte er nicht verhindern, dass sich Lia Gedanken machte. Sanft drückte er sie an sich und zusammen kuschelten sie schweigend weiter.

Lambert starrte Sam immer noch vollkommen verwundert an. Es dauerte eine Weile, bis er seine Sprache wieder gefunden hatte. Doch schließlich stellte er die Frage, auf die Sam gewartet hatte: "Und du bist der Vater?" Sam seufzte und antwortete leise: "Ich weiß es nicht." Lamberts Verwirrung wuchs, doch dann begann er zu verstehen, was hier vor sich ging. "Du bist abgehauen?" "Ich werde schon wieder zurück gehen, keine Sorge", gab Sam genervt zurück.

Es war genau das, was er nicht gewollt hatte. War er nicht eigentlich losgejoggt, um alleine nachdenken zu können? Lambert musterte ihn und Sam öffnete die Augen. Am Himmel zogen dunkle Wolken auf, so dass ein starker Schauer wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen würde. "Du fragst dich, ob du das Kind haben willst, oder?" Langsam aber sicher fühlte sich Sam von seinem Freund überfahren. Seufzend gab er nach und sah ihn an. "Ich will es. Aber ich weiß nicht, ob ich es schaffe." "Hast du Lia das gesagt?" wollte Lambert wissen, dem Lia irgendwie ans Herz gewachsen war. Stumm schüttelte Sam den Kopf.

In diesem Augenblick fing es an zu regnen. Erst vereinzelte Tropfen, kurze Zeit später dann schon mehr, bis es schließlich wie aus Eimern schüttete. Sam erhob sich von der Bank und wollte sich auf den Weg zurück machen, als Lambert ihn erneut packte. "Ich fahre dich", sagte er befehlend. Doch Sam riss sich los und begann zu Laufen. "Saaam!" rief ihm Lambert, nun auch genervt, hinterher. Der Angesprochene stoppte und drehte sich zu ihm um. Seine Klamotten waren inzwischen durchnässt und aus seinen Haaren liefen ihm dicke Tropfen über das Gesicht. Lambert konnte erkennen, dass Sams Augen ihn verärgert fixierten. "Ich will deine Hilfe nicht", brüllte er ihn förmlich an.

Lambert ließ kopfschüttelnd den Blick sinken. Manchmal war Sam einfach nicht zu erreichen. Wenn man ihn dann zu sehr in eine Richtung drängte, war es, als wenn er ausflippte. Und umso mehr man sich bemühte, ihm zu helfen, desto mehr wurde man von ihm zurückgewiesen. Sam war schon immer so gewesen und daher überraschte seine nächste Aktion Lambert umso mehr. Sam kam ein paar Schritte auf ihn zu, senkte den Blick und wirkte nun so unschuldig, wie ein kleiner Junge. "Es tut mir leid", brachte er leise und zerknirscht hervor. Lambert verkniff sich einen Kommentar, legte väterlich den Arm um Sams Schultern und zusammen gingen sie vollkommen durchnässt in Richtung des Wagens.

Kaum saßen sie im Fahrzeug, warf Lambert den Motor an und stellte die Klimaanlage auf Warmluft. Er wusste, dass sein Schützling es mit seinem Training übertrieben hatte. Sam hatte sich im Sitz zurückgelehnt und sein Kopf ruhte an der Kopfstütze, während er draußen die Landschaft und den Regen betrachtete. Der Weg über die Strasse bedeutete einen Umweg, aber es war immer noch besser, als bis auf die Knochen durchnässt zuhause anzukommen. Sams Körper begann trotz der Warmluft zu zittern, hatte er sich doch zu viel abverlangt. Lambert entging dies nicht und seine sorgenvolle Miene kam zurück. Im Moment konnte er aber nicht viel tun, außer zuzusehen, dass er Sam schnell in das warme Haus mit trockenen Klamotten brachte.

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:20

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Lia sah aus dem Fenster, hievte sich vom Bett und schloss es, da es begann rein zu regnen. "Hmpf, Sam ist immer noch unterwegs", gab sie sorgenvoll in Richards Richtung ab. "Er wird bestimmt gleich hier sein", versuchte Richard seine Frau zu beruhigen. "Hoffentlich, lass uns runter gehen." Lia hatte die Warterei satt. Sie machte sich Sorgen. Das Wetter hatte umgeschlagen und Sam war immer noch dort draußen unterwegs. Gemeinsam ging sie mit Richard wieder nach unten ins Wohnzimmer. Unschlüssig blieb sie im Raum stehen. "Lia? Er wird den Weg schon zurück finden." "Ja, aber klitschnass, so schnell erholt sich Sam auch nicht." Da dunkle Wolken aufgezogen waren, wurde es auch ziemlich dunkel im Haus. Lia machte eine, der wenigen Lampen an, die im Wohnzimmer standen, um zumindest wieder in bisschen Licht zu haben.

Sie war in Gedanken, erst ein Lichtkegel, der durch eins der Fenster fiel, ließ sie aufblicken. Es waren Autoscheinwerfer, die den Lichtkegel in das Fenster warfen. Neugierig ging zu eben jenem Fenster und schaute raus. Der Regen hatte an stärke zugenommen, so dass Lia nicht erkennen konnte, wer aus dem Wagen ausstieg. Erst kurz vor den Stufen, die zur Haustür hinauf führten, erkannte sie Sam und Lambert. "Es ist Sam", klärte sie Richard auf und machte bereits die Tür auf. Lambert und Sam huschten die letzten Stufen hinauf, damit sie nicht noch nasser wurden. Lia erschrak, Sam schien bis auf die Knochen durchnässt zu sein, Lambert sah auch nicht besser aus.

Lia wirbelte rum, griff sich die Wolldecke, die über der Sofalehne zusammen gelegt war und warf sie Sam über die Schultern. Sie versah Lambert kurz mit einem Blick: "Ausziehen!" forderte sie. Sie sah ihn an und grinste, Lamberts Blick war ein einziges Fragezeichen. Sie grinste immer noch. "Den Mantel", fügte sie schließlich hinzu. Sie wartete bis Lambert anfing sich den Mantel ausziehen, eh sie sich wieder Sam zuwandte. "Und du? Du siehst zu, dass du unter die Dusche kommst. Unter eine heiße Dusche", betonte sie besonders. Richard hatte in der Zwischenzeit ein großes Handtuch besorgt und hielt es Lambert hin. Dieser nahm es dankend an.

Immer noch stand Sam in triefendnassen Klamotten im Wohnzimmer. "Was ist? Hast du vergessen, wo deine Dusche steht? Oder brauchst du eine extra Einladung?" Lia musterte Sam grinsend. "Oder brauchst du vielleicht Gesellschaft? Hm?" Sam blickte Lia kurz an, verneinte leise und verschwand nach oben ins Bad. Zufrieden sah Lia hinterher. "Wollen sie vielleicht einen heißen Tee oder Kaffee?" Lambert grinste. "Wenn du denn Kaffee hier findest?!" Lia stutze. "Öhm? Wieso? Ich weiß nicht. Richard?" Etwas ratlos sah sie zu Richard rüber, hatte er sich doch schon etwas intensiver mit der Küche beschäftigt und wusste vielleicht dadurch auch, ob diese irgendwo Kaffee beinhalten würde. "Ich bin bisher noch auf keinen Kaffee gestoßen", gab dieser zurück. "Hm? Na gut, dann bleibt ja nur noch Tee." Feststellend sah sie Lambert an und grinste ein weiteres Mal. "Vielleicht mit Schuss? Hm? Wie wäre es damit?" Nun war es Lambert, der um ein flüchtiges Grinsen nicht umher kam. "Klingt gut."

Während Lia in die Küche entschwand, hatte Lambert sich mit auf das Sofa gesetzt. Bevor ein unangenehmes Schweigen ausbrechen konnte, wurde dies durch Lia verhindert. "Och menno...Richard", rief sie schmollend aus der Küche. "Ich bin in den letzten Tagen nicht gewachsen, ich komme immer noch nicht an die Schränke." Grinsend erhob sich Richard und folgte seiner Frau in die Küche.

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:20

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Sam stand unter der brennend heißen Dusche und ließ sich das Wasser auf den Rücken prasseln. Dabei stützte er sich mit beiden Händen und ausgestreckten Armen an der gefliesten Wand ab. Er ließ den Kopf hängen und schloss die Augen. So verharrte er eine ganze Weile, bis er schließlich den Kopf hob und sich das Wasser über den Kopf laufen ließ.

Zehn Minuten später verließ Sam das Bad und steuerte direkt das Schlafzimmer an. Er hatte sich seine typischen Klamotten angezogen, eine Cargohose, in diesem Falle tarnfarben, und dazu ein olivgrünes T-Shirt. Er durchforstete seinen Schrank nach Kleidung, die hoffentlich irgendwie Lambert passen würde. Bevor er durchnässt unten herum saß, würde Sam ihm lieber Anziehsachen leihen. Mit dem Berg an Klamotten im Arm machte er sich auf den Weg ins Wohnzimmer, wo ihm schon der Duft frischen Tees entgegen schlug.

Alle drei auf dem Sofa Sitzenden drehten sich Sam zu als er den Raum betrat. Seine noch leicht nassen Haare lagen kreuz und quer auf seinem Kopf. Er hatte sie kurz mit einem Handtuch bearbeitet, dann einmal gekämmt, um anschließend genervt den Kopf zu schütteln, was alles wieder durcheinander brachte. Lambert musterte verwirrt die Kleidung in Sams Hand, was diesen dazu veranlasste, die sich ausbreitende Stille zu durchbrechen. "Die Dusche ist oben, Handtücher liegen da auch genug und hier sind ein paar Klamotten, die dir hoffentlich passen." Mit diesen Worten drückte er Lambert die Sache in die Hand und verschwand dann in der Küche.

Richard und Lia grinsten Lambert nur an, der sich dann seufzend erhob und auf den Weg nach oben machte. Es war das erste Mal, dass er Sams Haus etwas genauer inspizieren konnte. Bisher hatte er nur Sams Büro, das Wohnzimmer und den Trainingsraum zu Gesicht bekommen. Lambert musste sich eingestehen, dass Sam offenbar in seiner Freizeit sehr viel an dem großen Haus arbeitete, denn es sah sehr gepflegt aus.

Unten setzte sich Sam gerade in einen der beiden Sessel im Wohnzimmer. Er hatte sich ein Glas Whiskey aus der Küche mitgebracht und stellte es auf dem Tisch vor sich ab. Sein Blick blieb an Lia hängen, er versuchte zu ergründen, was er fühlte. Richard musste seine Unsicherheit gespürt haben, denn er war es, der das Wort ergriff: "Sam, du wärst damit keinesfalls allein." Sam brach den Blickkontakt zu Lia ab, griff nach dem Glas und nahm einen Schluck von dem hochprozentigen Getränk.

Richard hatte Lia umschlungen und zu sich gezogen. Die Stille musste für sie fast unerträglich sein, das wusste Richard. Doch er konnte auch Sam verstehen, der nun mal von sich aus ein eher ruhiger Typ war, der diese Stille zum Nachdenken brauchte. Er konnte jedoch seinen Blick nicht von ihm lassen, wie er so da saß mit seinen durcheinander auf dem Kopf liegenden, feuchten Haaren. Das Bild hatte etwas, was Richard anzog. Trotzdem hielt er Lia weiter eng umschlungen, denn immerhin hatten sie auch noch Besuch.

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:20

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Auch Lia musterte Sam verstohlen von der Seite. Schließlich löste sie sich aus der Umarmung von Richard, rückte ans Ende des Sofas, so dass sie nur noch eine kurze Distanz zu sich und Sams Sessel hatte. Sie fixierte ihn durchdringend. Sam blickte von seinem Glas auf und sah Lia an. Diese überbrückte nun die kurze Entfernung zu Sam und fand sich bei ihm auf dem Schoß wieder. Lia konnte sehen, dass Sam damit offensichtlich nichts anfangen konnte, viel zu sehr war er mit seinen eigenen Gedankengängen beschäftigt. Sie sprach nicht mit ihm, strich ihm ein paar vereinzelte nasse Strähnen aus dem Gesicht, gab ihm einen Kuss und krabbelte wieder zurück auf das Sofa.

Lia blieb nicht lange dort. Sie konnte mit der Ruhe nicht viel anfangen. Sie wusste aber auch, dass eben diese Ruhe und Stille ein Teil von Sams Leben zu sein schien. Sie hatte sich wieder vom Sofa erhoben und stand nun vor der Verandatür und beobachtete den Regen, der sich immer noch, wie aus Eimer auf die Erde ergoss. Im tiefsten Inneren wusste Lia, dass Sam Zeit brauchte, um mit der Situation etwas anfangen zu können. Zumindest glaubte sie, dass es so war. Wieder ein Mal wurde ihr bewusst, wie unterschiedlich Sam und Richard waren. Hatte Richard sich oben im Schlafzimmer zu ihrer Schwangerschaft geäußert und ihr noch einmal bestätigt, dass er das Kind auch haben wollte. Sam hingegen wich einem konkreten Statement, seinerseits, bisher aus. Sie überlegte. War es nur die Angst? Die Angst vor was? Wie so oft, wenn es um Sam ging, kannte Lia keine Antwort darauf. Nicht nur er hatte Angst. Lia erging es im Moment nicht anders. Vielleicht mit anderen Beweggründen, aber dennoch hatte auch sie Angst.

Lia war so sehr in ihren Gedanken versunken, dass sie nicht wahrnahm, dass Lambert bereits vom Duschen wieder nach unten gekommen war und sich mit Richard unterhielt. Sie hörte zwar das gesprochene Wort, konnte aber keinen Sinn hinter den einzelnen Wörtern verstehen. Zu sehr war sie mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt gewesen. Lamberts Blick fiel auf Lia, die immer noch vor der Verandatür stand und dem Wettertreiben zusah. Dann ging sein Blick, besorgt, zu Sam. Offensichtlich hatte Sam es nicht geschafft, Lia seine Gefühle offen zu legen. Lambert wollte Lia ansprechen, wurde aber von einem Ereignis, ganz anderer Art davon abgehalten. Lia schrie kurz erschrocken auf und wich dann einen großen Schritt von der Tür weg. Der Regen hatte Gewitter mitgebracht und somit auch zuckende Blitze über den dunkel wolkenverhangenen Himmel erscheinen lassen. Kurz darauf konnte man ein tiefes, aber weit entferntest Grollen vernehmen. Es war so dumpf, dass man es in der Magengegend spüren konnte.

"Wäähhh", mit einem Satz war Lia wieder auf dem Sofa, um so noch einen größeren Sicherheitsabstand zu sich und der Verandatür zu bekommen. Richard grinste. "Sag kein Wort", drohte ihm Lia lachend. Sie blickte sich um und sah, dass Lamberts Teetasse bereits leer war. "Wollen sie noch einen?" fragte sie daraufhin und deutet auf die leere Tasse. Lambert verneinte. "Ich muss doch noch fahren", Lia grinste, sie kannte diese Antwort, von sich selbst nur zu gut. "Warum? Das Haus ist groß genug. Für dich werden wir wohl noch einen Platz finden", brach Sam plötzlich sein Schweigen. Lia freute sich über das Angebot, was Sam Lambert gerade unterbreitet hatte und sah ihn nun an. "Und wie sieht es jetzt aus?" Lia stand bereits und hielt Lambert fordernd die Hand, nach der Tasse entgegen, die sie schließlich auch bekam. Beim rausgehen, aus dem Wohnzimmer, wurde sie von Sam sachte am Arm berührt. "Du kannst den Tee weglassen, Lambert nimmt nur den Schuss." Verwundert drehte sich Lia zu Lambert und dann wieder zu Sam. "Na meinetwegen. Bleibt mehr Tee für mich", damit verschwand sie endgültig in der Küche.

Lambert nutze die kurze Gelegenheit, dass Lia nicht im Raum war und sprach Sam an: "Warum sagst du ihr nicht einfach, was du mir vorhin schon gesagt hast?" "Ich kann nicht!" Richard verfolgte das kurze Gespräch aufmerksam. "Doch du kannst", beharrte Lambert darauf. Sam antwortete nicht darauf. Auch Richard schwieg weiterhin. Immer noch sah Lambert Sam auffordernd an. "Lass mich", fauchte Sam mehr kraftlos, als dass es tatsächlich hätte fies klingen können, stand schließlich auf und verschwand die Treppe nach oben. Lia kam zurück ins Wohnzimmer und schaute etwas bedröppelt drein, als sie noch den Rücken von Sam nach oben verschwinden sah. Sie drückte Lambert das Glas in die Hand, "nicht weglaufen, bin gleich wieder da", mit diesen Wort entschwand auch Lia nach oben. Richard seufzte mal wieder. "Es fällt ihm unheimlich schwer über seine Gefühle zu reden, hm?!" Lambert nickte, er kannte Sam lang genug.

Lia steuerte geradezu das Schlafzimmer an und fand Sam auf dem Bett liegend. "Sam?" Er reagierte nicht. Lia hingegen war es egal. Sie kletterte zu Sam aufs Bett und sah ihn an. Sam hatte die Augen geschlossen, spürte aber die Blicke von Lia auf sich. Langsam öffnete Sam wieder seine Augen und blickte sie an. "Lia? Ich...", Sam brach seinen Satz wieder einmal ab. Lia merkte, wie schwer es ihm fiel, mit ihr darüber zu sprechen. "Soll ich besser gehen?" Eigentlich hätte Lia das nicht fragen brauchen, natürlich wäre es für Sam angenehmer gewesen, wenn Lia gehen würde. Daher wartete sie keine Antwort ab, und robbte zum Bettende. Sam hielt sie fest, als er merkte, dass sie tatsächlich im Begriff war, wieder zu gehen. Er zog sie zu sich und schlang vorsichtig seine Arme um sie. "Nein, du brauchst nicht gehen. Lia? Ich will das Kind, nur weiß ich nicht, ob ich das schaffe", erklärte Sam ihr in einem fast flüsternden Ton. Sie drehte sich in seine Armen zu ihm und gab ihm einen Kuss. Sie wusste, was Sam meinte und beließ erstmal dabei. "Bitte Sam, kommst du wieder mit nach unten?" "Ich komm gleich nach, versprochen." Sam zog Lia noch einmal enger an sich ran, gab ihr einen Kuss und ließ sie dann los. "Du kommst wirklich gleich nach?" "Versprochen!"

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:21

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Sam sah ihr verunsichert hinterher. Hatte er sie verletzt mit seinen Zweifeln? Seufzend rollte er sich wieder auf den Rücken und starrte an die Decke. Er wusste, dass er allein sein musste, um damit klar zu kommen. Trotzdem hatte er Lia versprochen, dass er sich wieder nach unten begeben wollte. Machte er sich zu viele Gedanken? Wahrscheinlich war Richard der Vater und Sam würde damit nur bedingt für das Kind verantwortlich sein.

Ein Blitz erhellte das Zimmer in einem gespenstischen Farbton. Der sofort darauf knallende Donner bestätigte Sam, dass das Gewitter direkt am See tobte. Er erhob sich vom Bett und sah aus dem Fenster. Die Blitze tanzten über dem Wasser und lösten ein dauerhaftes Grollen aus. Wie oft war Sam bei solch einem Wetter schon unterwegs gewesen? Er liebte dieses Wetter, weil es ihn zugleich unsichtbarer als auch sichtbarer machen konnte. Es war ein gefährliches Spiel, bei Gewitter einen Außeneinsatz durchzuführen.

Ein neuerlicher lauter Knall ließ Sam aus seinen Gedanken aufschrecken. Instinktiv wusste er, dass soeben der Strom ausgefallen sein musste. Da seine Augen die Dunkelheit gewohnt waren, machte er sich auf den Weg ins Wohnzimmer. "Sam?" fragte Lia verunsichert, als sie eine Bewegung im Dunkeln vernahm. "Ja, ich hole nur ein paar Kerzen", gab er gerade laut genug zurück, dass es alle verstehen konnten. Sein Weg führte ihn in den dunklen Keller, doch auch hier fand er sich trotz der anhaltenden Dunkelheit erstaunlich gut zurecht.
Er betrat den letzten der vier Räume, der tatsächlich als Keller diente.

Im Nu hatte er die breiten Kerzen aus der Schublade eines Schrankes hervor geholt und war schon wieder auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer. Aus der Hosentasche beförderte er ein Sturmfeuerzeug hervor und zündete die Kerzen an, um sie einfach so auf den Tisch zu stellen. Das Flackern der Flammen ließ den großen Raum in einem merkwürdigen Zwielicht erscheinen. "Seit wann rauchst du?" fragte Lambert überrascht. Sam sah ihn verwirrt an, bemerkte dann aber, dass die Fragen wegen dem Feuerzeug in seiner Hand kam. Lachend antwortete er: "Ich rauche nicht, werde ich nie tun. Aber ich hab immer ein Feuerzeug dabei. Wer weiß, wofür man es brauchen kann."

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:22

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Lambert nickte ein wenig Gedankenverloren und sah rüber zu Lia. Lia schaute sich im schwach erleuchteten Wohnzimmer um. Alles was außerhalb des Kerzenscheins lag, wurde von der Dunkelheit verschluck. Da ihr das Haus bei weitem noch nicht so vertraut war, wirkte die Dunkelheit auf sie angsteinflössend. Als sie ihren Blick wieder zu den anderen wandte, traf sich ihr Blick mit dem von Lambert. Sie lächelte etwas verschämt. "Was ist?" "Warst du schon bei einem Arzt?" kam als Gegenfrage zur Antwort von Lambert. Sie war im ersten Moment verwirrt und konnte der Frage zu nächst nichts abgewinnen. Hatte Sam ihm erzählt, das sie schwanger war? Richard stupste sie leicht an, da von ihr bisher keine Antwort kam. "Hm? Wie? Nein, war ich noch nicht." "Das wollten mir Morgen in Angriff nehmen." fügte Richard noch hinzu. "Aha, dass ist gut." Lambert sah zu Sam rüber und dann wieder zu Lia und Richard. "Ich nehme mal an, dass ihr noch keinen Arzt gefunden habt, zu dem ihr geht, oder?" Lia lachte kurz. "Öhm? Nein, ich muss erst mal gucken, wo ich einen finde." Lambert überlegte kurz. "In der Stadt gibt es einige gute Ärzte."

"Aha, auch eine Ärztin?" kam von Lia etwas unsicher zurück. Der Gedanke zu einem Mann zu gehen, war für Lia nicht sehr erquickend. Lambert zuckte mit den Schultern. "Das weiß ich gar nicht so genau. Ich geh nicht allzu oft, zu einem Gynäkologen." Lia grinste. "Schon klar." Ein weiterer Blitz erhellte kurzzeitig das Wohnzimmer und ließ Lia instinktiv zusammen zucken. "Hmpf, scheiß Gewitter. Hört das auch mal wieder auf?" Die Frage war an Sam gerichtet, der schweigend in seinem Sessel saß. Er nickte nur zur Antwort. Lia beobachtete Sam. Es nervte sie ein wenig, dass er so weit weg saß von ihr, aber ändern konnte sie es auch nicht. Sie hoffte einfach darauf, dass Sam von alleine ihre Nähe und die von Richard suchen würde.

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:23

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Lambert sah zwischen Sam und den Beiden auf dem Sofa hin und her. Blieben sie so weit getrennt, weil er anwesend war? "Ihr braucht auf mich hier keine Rücksicht nehmen", meinte Lambert daher auch leise. Sam beachtete ihn gar nicht, er spielte mit seinem Glas Whiskey rum und schien gedanklich ganz weit weg zu sein. Deswegen sah sich Richard gezwungen, gehässig zu antworten: "Tun wir auch gar nicht." Lia konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Sam starrte auf die Flüssigkeit in dem Glas, das er noch immer in der Hand hielt. Mit einer leichten kreisenden Bewegung brachte er das Getränk dazu, sich wellenähnlich durch das Trinkgefäß zu bewegen. Er lauschte dem Gewitter, welches sich über dem See festgesetzt hatte. Wie immer. Sam war das Wetter gewohnt und hatte damit keinerlei Probleme. Auch der Stromausfall war für ihn nichts wirklich Neues. Er leerte mit einem Zug das Glas und erhob sich, um in die Küche zu gehen. Einen Augenblick musterte er seine Gäste, fragte dann höflich, ob er etwas mitbringen könne, was diese jedoch verneinten, und verschwand in der dunklen Küche.

Alle Drei sahen ihm stumm hinterher. Richard merkte, dass Lia neben ihm unruhig wurde. Je länger Sam nicht im Raum war, desto mehr wuchs ihre Unruhe. "Er wird schon wieder kommen", flüsterte er ihr leise zu und sah in Richtung Küche. Er brauchte nicht lange warten und Sam tauchte genau dort wieder auf, wo er verschwunden war. Sein Glas hatte er nachgefüllt und nun brachte er gleich die ganze Flasche mit, um nicht noch einmal in die Küche geistern zu müssen.

Sam bemerkte Richards Blick und ihm fiel die merkwürdige Stille auf. Keiner der Anwesenden sprach, was Sam verwirrte. Lag es am Wetter oder an ihm? Normal hatte er nicht viel für Kartenspiele übrig, aber um die irgendwie bedrückende Stimmung zu heben, fragte er nach: "Wollen wir ne Runde Pokern?" Er hatte sich noch nicht wieder gesetzt und stellte nun erstmal das Glas und die Flasche auf dem Wohnzimmertisch ab. Überrascht sahen die drei Sitzenden auf.

Doch Lambert winkte ab. "Nein, ich werde ins Bett gehen, wenn ihr nichts dagegen habt", stellte er fest. Darauf ließ Sam sich seufzend in seinen Sessel fallen und antwortete: "Mir solls egal sein." "Welches Zimmer?" "Das, das nicht abgeschlossen ist und nicht gebraucht aussieht." Sam hatte sich wieder mit seinem Glas bewaffnet, um nach diesen Worten einen tiefen Schluck daraus zu nehmen. Er sah Lambert hinterher, als dieser die Treppe hinauf ging und in der Dunkelheit verschwand.

"Hört das Gewitter denn gar nicht mehr auf?" fragte Lia leise und kuschelte sich dabei an Richard. Trotzdem hatte Sam sie verstanden, daher antwortete er: "Es wird wohl noch eine ganze Weile dauern." "Ist das hier immer so schlimm?" wollte Richard wissen. Sam nickte und sagte nur: "Liegt am See." Obwohl der Alkohol ihn eigentlich hätte wärmen sollen, fror Sam. Die Wolldecke, die ihm Lia umgehängt hatte, lag oben im Bad. Nein, er hatte jetzt einfach keinen Drang dazu, sich noch einmal aufzuraffen und sich diese zu holen. Stattdessen leerte er das Glas schnell und stellte es neben der Flasche auf dem Tisch ab. Lias Blick entging ihm dabei nicht.

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:23

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Lia konnte mit der bedrückenden Stimmung einfach nichts anfangen. Sie hatte Sam beobachtete, wie er das zweite Glas Whiskey fast in einem Zug leerte. Sie war sicherlich kein Moralapostel und verkniff sich daher einen Spruch, der ihr auf den Lippen lag, es würde nicht sonderlicher förderlich sein für die Situation. Sie ertrug die Stille nicht, wollte diese aber auch nicht durchbrechen. Sie erhob sich, gab Richard einen Kuss und sagte ihm leise, dass sie ins Bett gehen würde. Beim verlassen des Zimmers streifte sie sachte Sams Schulter. Sie wollte ihn nicht noch mehr durcheinander bringen.

Im Schneckentempo suchte sich Lia den Weg nach oben ins Schlafzimmer. Heile dort angekommen, ließ sie sich aufs Bett fallen und wickelte sich in die Decke ein. Immer wieder zuckte sie unweigerlich zusammen, wenn einer der vielen Blitze das Zimmer erhellte. So sehr, wie sie sich darüber freute, dass sie schwanger war, war ihr im gleichen Maße gerade danach zu heulen. Sam hatte ihr gesagt, dass er das Kind auch will, nur schien es für sie nicht so. Sam hielt seine Freude darüber doch arg bedeckt, wenn er sich denn überhaupt darauf freute, überlegte Lia. Je länger sie darüber nach dachte, desto mehr wünschte sie sich, dass das Kind tatsächlich nicht von Sam ist. Es würde ihn wahrscheinlich nur wieder komplett aus der Bahn werfen. Ihre eigene Freude, darüber, dass sie schwanger war, hielt sich derzeit auch in Grenzen. War die Beziehung der Drei, doch erst nach einer dreimonatigen Zwangspause wieder zusammen gekommen. Lia überkam das Gefühl, dass die Schwangerschaft die gesamte Beziehung auf eine harte Probe stellte.

'Die gesamte Beziehung?', überlegte Lia. Nein, es war nicht die Beziehung im Ganzen, es war nur die Beziehung zu Sam, die sich zurzeit als schwierig erwies. Eigentlich war Lia ins Schlafzimmer gegangen, um zu schlafen, stattdessen wälzte sie ihre Gedanken hin und her. So würde auch sie auch nicht in den Schlaf finden, wahrscheinlich genauso wenig wie Sam. Hatte sie sich vielleicht falsch verhalten? Hatte sie zu schnell eine Entscheidung von Sam verlangt? Wahrscheinlich war es so. Seit dem sie morgens von ihrem Mann erfahren hatte, dass sie schwanger ist, wurde das Gefühl in ihr immer stärker, dass Richard nicht der Vater des Kindes war, sie hoffte, dass sie sich in ihrem Gefühl täuschte.

Sie merkte, wie sich ein unwohles Gefühl in ihr breit machte und sich die ersten heißen Tränen sich ihren Weg abwärts suchten. Ihre eigenen Gedanken erschreckten sie. War es doch inzwischen so weit gedanklich gekommen, dass sie sich wünschte, dass Kind wäre nicht von Sam. Doch sie konnte das Gefühl in sich nicht überhören. Es wurde nur noch intensiver. Lia versuchte alle aufkommenden Gefühle und Gedanken im Keim zu ersticken, ihre Tränen zu unterdrücken und vergrub schließlich ihr Gesicht in der Decke. Sie wollte nur schlafen.

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:23

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Im Wohnzimmer sah Sam Richard eine zeitlang schweigend an. Richard konnte sehen, dass er überlegte, was er tun sollte. Draußen tobte weiter das Unwetter und als ein weiterer lauter Donner die Stille zerriss, zuckte Richard auf dem Sofa zusammen. Er wollte etwas sagen, kam aber gar nicht dazu. Sam schüttelte einmal kurz den Kopf und erhob sich wortlos aus seinem Sessel. Die Art, wie er die Treppenstufen nahm, ließ auf eine Entschlossenheit schließen, die Richard selten bei ihm gesehen hatte. "Ja klar, lasst mich doch alle hier alleine", murmelte er leise und streckte sich auf dem Sofa aus.

Im Dunkeln beobachtete Sam Lia einen Moment. Er wusste, dass er ihr mit seinem Verhalten wehtat. Langsam, aber laut genug, dass Lia es mitbekam, enterte er schließlich das Schlafzimmer. Er konnte trotz der Dunkelheit erahnen, dass sie geweint hatte. Vorsichtig kniete er sich neben das Bett. "Lia", brachte er nur leise hervor. Er hatten keinen blassen Schimmer, was er ihr sagen sollte. Sanft berührte er sie am Arm, woraufhin sie zu ihm aufsah. "Es tut mir leid", begann er immer noch leise, "ich wollte dir nicht weh tun." Sam war selbst überrascht, dass er den Satz ohne zu Zögern ausgesprochen hatte. War das überhastete Trinken des zweiten Glases Whiskeys der Auslöser? Wohl kaum, denn aus irgendeinem Grund fror Sam immer noch. Er ließ es sich aber nicht anmerken, sondern wollte diesen kurzen Moment jetzt nur mit Lia verbringen.

Er erhob sich vom Boden und setzte sich auf das Bett. Er wusste nicht, ob Lia es wollte, zog sie aber trotzdem vorsichtig zu sich. Hätte sie auch nur ein Zeichen des Widerstandes gegeben, hätte Sam sie in Ruhe gelassen. Doch er ahnte, dass sie sich seinetwegen den Kopf zerbrach.

Doc DG

durchgeknallt aber glücklich

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:24

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Lia genoss die Nähe von Sam. War es doch zuletzt am Morgen gewesen, dass er sie zu sich gezogen hatte und mit ihr kuschelte. Sie war sich nicht sicher, ob das, was Sam gesagt hatte, tatsächlich stimmte. Hatte er ihr wehgetan? Sie konnte es nicht mit Bestimmtheit sagen, immer noch viel zu durcheinander von den eigenen Gedanken. Sie schmiegte sich enger an Sam ran, wollte dadurch verhindern, dass er einfach wieder ging. Sam merkte, dass Lia seine Nähe suchte und zog sie seinerseits noch weiter zu sich ran. Lia ließ Sam nicht los, egal was kommen würde. Sie würde ihn nicht los lassen. Beide saßen zusammen gekuschelt auf dem Bett und schwiegen.

Für Lia war es Geste genug, dass Sam bei ihr war. Hatte sie doch Angst gehabt, dass er sich von ihr und der Beziehung zu ihr und Richard distanzieren würde. Sie strampelte sich aus der Decke frei, rappelte sich auf und setzte sich ein weiteres Mal bei Sam auf den Schoß, so dass sie ihn anblicken konnte. Das anhaltende Gewitter und somit auch die immer noch zuckenden Blitze, sorgten dafür, dass das Zimmer immer wieder taghell erleuchtet wurde. Lia hatte sich inzwischen an das Gewitter ein wenig gewöhnt, so dass sie nicht mehr bei jedem Blitz zusammen zuckte.

Vorsichtig strich sie ihm durch sein Gesicht, hielt es mit beiden Händen fest und küssten ihn zärtlich. "Sam? Ich kann nicht rückgängig machen, was geschehen ist mit deiner Tochter. Ich weiß, dass du sie vermisst und dass die Leere in dir, die du durch ihren Verlust erlitten hast, niemand auffüllen kann", Lia sprach nun endlich das an, was Sam seit dem Tod seiner Tochter beschäftigte und nicht los ließ. "Weder Richard noch ich oder das Baby können diesen Platz einnehmen, dass ist mir klar", Sam wollte es etwas sagen, doch Lia ließ ihn nicht zu Wort kommen, legte stattdessen einen Finger auf seinen Lippen und sprach leise weiter, "Sam? Wenn ich morgen zum Doc gehe, dann weiß ich jetzt schon, wer der Dad sein wird. Es sei denn, mein Gefühl lässt mich so sehr im Stich, dass ich darauf nicht mehr hören kann. Sam? Der Wurm hier drin", Lia nahm Sams Hand und legte sie auf ihren Bauch, "ist nicht von Richard."

Sam sah sie verwirrt an. "Das kannst du doch gar nicht mit Sicherheit sagen", stellte Sam immer noch sehr leise fest. "Nein, aber mein Gefühl sagt es mir, es war von dem Moment an da, als Richard mir sagte, dass ich schwanger bin." Lia wollte sich von Sam erheben, war sie sich doch sicher, dass sie Sam nun noch mehr verwirrt hatte. Sam jedoch hielt sie zurück. "Nein", sagte er flüsternd, zog sie vorsichtig wieder zu sich und küsste sie. Lia war über diese Reaktion verwundert, ging sie doch davon aus, dass Sam das eben gehörte nicht gefallen würde.

Richard stand seit geraumer Zeit im Türrahmen und versuchte die beiden auf dem Bett Sitzenden zu beobachten, zumindest so weit es durch die Dunkelheit möglich war. Schließlich trat er ein und ging zu Lia und Sam rüber. Er strich Lia durchs Haar und gab ihr einen Kuss auf ihren Kopf. Lia schreckte zusammen, hatte sie Richard doch nicht wahrgenommen. Ihr Mann grinste flüchtig, löste sich von Lia, umrundete das Bett, entledigte sich seiner Sachen und legte sich wortlos mit aufs Bett. Sam ließ sich rückwärts auf die Matratze sinken, hielt dabei Lia an ihren Hüften fest, so dass sie nicht mit umfallen konnte. Lia beobachtete irritiert das Unterfangen von Sam. Eine Hand hielt immer noch Lias Hüfte fest, während die andere in Richards Richtung ging und ihn zu sich zog. Richard blickte genauso irritiert drein, wie seine Frau. Sam störte es nicht. Er holte Richard zu sich ran und küsste ihn. Lia grinste, wieder kam dieses angenehme Kribbeln in ihr auf, als die beiden Männer sich küssten.

Lia unternahm noch einen Versuch, sich von Sam zu lösen. Erschrocken unterbrach Sam den Kuss mit Richard, hatte er Lia doch nicht mehr an ihrer Hüfte gespürt. Sie grinste, "lass euch nicht stören." Ein wenig verträumt sah sie den Beiden zu, wie sie sich weiter küssten. Sollte es so sein, dass Sam mit der neuen Situation doch besser umgehen konnte, als sie es sich gedacht hatte? Oder versuchte er jetzt nur, seine Angst und Unsicherheit damit zu überspielen? Sie wusste es nicht. Lia würde sich in Geduld fassen müssen, um raus zu finden, wie es in Sam tatsächlich aussah.

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eben hat es in meinem Kopf noch Sinn gemacht!

Doc_Wuffi

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:24

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Der nächste Morgen begann für Sam später als gewöhnlich. Richard war schon aufgestanden und hatte das Bad in Beschlag genommen. Das konnte Sam am Rauschen der Dusche erkennen. Mit geschlossenen Augen versuchte er die Uhrzeit zu erahnen, blieb dabei aber erfolglos. Das Gewitter war vorüber gezogen und hatte ruhigerem Wetter Platz gemacht. Sam spürte eine Bewegung neben sich im Bett. Es konnte nur Lia sein, die sich in diesem Moment sanft an ihn kuschelte. Erst jetzt wurde ihm richtig bewusst, was sie am Abend zuvor gesagt hatte.

Sollte er so tun, als wenn er noch schliefe? Richard würde wohl mit Lia zum Arzt fahren, so hoffte er zumindest. Hatte er Lias Worte nicht richtig wahrgenommen, weil er zu viel getrunken hatte? Es waren doch nur zwei Gläser gewesen. Normalerweise konnte ihm das nichts anhaben. Vorsichtig öffnete Sam die Augen und blinzelte. Das grelle Sonnenlicht blendete ihn und er fühlte, dass sich langsam Kopfschmerzen in seinem Schädel ausbreiteten. Von zwei Glas Whiskey?

Lia hatte bemerkt, dass er aufgewacht war und stützte sich jetzt mit einem Arm auf der Matratze ab, um ihn ansehen zu können. "Auch schon wach?" Sie musste schon länger wach sein, hatte sich aber wohl noch nicht aus dem Bett raffen können. Sam kniff einmal kurz die Augen zusammen und gab leise von sich: "Bitte nicht so laut." Lia grinste, ahnte sie doch schon, wie es Sam ging.

In diesem Augenblick kam Richard zurück ins Schlafzimmer. Er war gerade dabei, sich die Haare mit dem Handtuch abzutrocknen, welches er anschließend über seine Schulter legte. Total zerzaust blieb er vor dem Bett stehen. "Guten Morgen", gab er fröhlich von sich und grinste Sam an. "Ich bleib heute liegen", murmelte Sam und schloss wieder seine Augen. "Aspirin?" fragte Richard. "Nee, das reicht nicht", antwortete Sam. "Ach ja, Lia? Komm in die Gänge!" Lia sah Richard überrascht an, quälte sich dann widerwillig aus dem Bett und verschwand im Bad.

Richard setzte sich neben Sam auf das Bett. "Soll ich dir irgendwas mitbringen aus der Stadt?" fragte er in einem leicht besorgt klingenden Ton. Sam überlegte einen Moment, gab dann aber nur zurück: "Nein, ich werd noch ein wenig Schlafen, dann geht’s schon." "Sicher?" "Ja doch", erwiderte Sam nun leicht genervt. Er würde das Ergebnis abwarten, welches Lia und Richard vom Arzt mitbrachten. Sollte es ihre Vermutung bestätigen, wusste Sam nicht, was er tun sollte. Er fühlte sich einfach nicht bereit dafür.

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