Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Suchtvertiefungsklinik. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Doc DG

durchgeknallt aber glücklich

  • »Doc DG« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 917

Registrierungsdatum: 18. Oktober 2006

Wohnort: mitten inner pampa von sa

Beruf: erzieher und freizeitdoc

  • Nachricht senden

169

Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:24

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Lia verbrachte dieses Mal nicht allzu viel Zeit unter der Dusche. Dafür war sie umso verblüffter, was sie zusehen bekam, als sie aus der Dusche raus trat. War ihr gestern doch der kaum ersichtliche Ansatz nicht aufgefallen. Verständnislos schüttelte sie den Kopf. Wie konnte ihr so etwas entgehen? Warum hatte sie es nicht schon viel früher bemerkt? Noch einmal nahm sie ihren Bauch genauer unter die Lupe. Der kleine Ansatz, der sich langsam zeigte, war wirklich kaum zu erkennen. Nur wenn man sich etwas Zeit dafür nahm. Lia ärgerte sich, dass sie ihren eigenen Körper offensichtlich wohl kaum kannte. Der kleine Ansatz, ließ sie mutmaßen, dass sie weit über die 12. Woche hinweg sein musste. Was auch bedeutete, dass Richard als auch Sam in Frage kamen. Sie seufzte, schlang sich ein Handtuch um und huschte zurück ins Schlafzimmer. In Windeseile hatte sich Lia umgezogen, in der Hoffnung, dass Sam, der immer noch im Bett lag, der kleine Ansatz entgangen war. Sie gab Sam noch einen Kuss und ging dann nach unten zu Richard, der inzwischen Frühstück gemacht hatte.

"Morgen", kam von ihr, als sie Lambert in der Küche entdeckte. "Wenn wir nachher in der Stadt sind, besorg ich erst mal ein bisschen Kaffee, dass is ja nicht zum Aushalten, morgens so ohne." Lia grinste und gab Richard einen Kuss. "Mach das", Lia hatte sich noch gar nicht an den Tisch gesetzt, sondern war gleich weiter ins Wohnzimmer gegangen. "Was ist?" rief Richard ihr hinterher. "Ich suche so was, wie ein Telefonbuch oder die Gelben Seiten", gab sie zurück und wurde nach kurzem Suchen auch fündig und begab sich, bewaffnet mit einem Stift und einem Block, zurück in die Küche, wo sie sich dann schließlich mit an den Tisch setzte und anfing nach Ärzten zu suchen.

Richard und Lia verließen gemeinsam mit Lambert das Haus, verabschiedeten sich vor dem Haus und fuhren dann Richtung Stadt. Die Fahrt dahin verlief schweigend. Lia schaute sich während der Fahrt die Gegend an, schnell merkte sie, dass sie der Stadt näher kamen, als sie durch die ersten Vororte fuhren. "Wo müssen wir denn jetzt hin?" wollte Richard wissen, nach dem er die Stadtgrenze passiert hatte. Lia suchte die Adresse raus, die sie raus geschrieben hatte und guckte sich im Wagen um. Da es ein neuer Leihwagen war, hatte dieser auch ein Navigationssystem drin. Lia freute sich, es war ein Tomtom Go. Schnell huschten ihre Finger über den Touchscreen und gaben die erforderlichen Daten ein. Nach einigen Sekunden hatte Tomtom dann die Route berechnet und meldete sich auch sofort, dass gedreht werden müsste. Lia lachte. "Ich liebe dieses Ding." "Hmpf, tatsächlich?" Richard war ganz und gar nicht davon angetan, dass er wenden sollte. "Fahr weiter, der berechnet ne neue Strecke", erklärte Lia, nachdem sie bemerkt hatte, dass ein Wenden hier so gut wie unmöglich war. Aufmerksam beobachtete Lia das Display, "siehst du? Neue Strecke", gab sie triumphierend von sich.

Nach einer mehr oder weniger kurzen Irrfahrt, kamen Richard und Lia endlich am Ziel an. "Ich kann doch auch nichts dafür, wenn die hier alle Straßen dicht machen, müsste dir doch bekannt vorkommen, is doch in Berlin nicht anders", grinste sie frech ihren Mann an und stieg aus. Richard verzog genervt das Gesicht. "Hast du eigentlich mal überlegt, wie wir wieder zurück finden? Ich hab die Adresse von Sams Haus nicht mehr im Kopf." Wieder nur ein freches Grinsen von Lia, die bereits dabei war, die Arztpraxis zu entern.

Am Empfang musste Lia erst Mal erklären weswegen sie hier war und warum sie auch ohne Termin zum Doc rein musste. Nachdem sie das endlich geklärt hatte, musste Lia einige Formulare mit Daten ausfüllen. Sie war froh, dass ihr Mann dabei war. Nicht mit allen Angaben oder Fragen konnte sie etwas anfangen. Was nun folgte, war ein Warten auf unbestimmte Zeit. Da Lia den angebotenen Termin nicht haben wollte, da dieser erst in knapp acht Wochen gewesen wäre, musste sie darauf hoffen, dass sie irgendwo zwischen geschoben wurde. Es war mehr als eine Stunde vergangen, in der Lia im Wartezimmer darauf gehofft hatte, endlich ihren Namen zu hören. Es musste noch eine weitere halbe Stunde vergehen, bis sie schließlich aufgerufen wurde. Richard war in der Zwischenzeit wieder zum Auto gegangen, war es ihm doch egal, wo er so lange wartete.

Im Behandlungszimmer wartete auch schon die Ärztin auf Lia. In ein paar Sätzen hatte sie erklärt worum es geht und was vorgefallen war. Die Ärztin sog erstaunt die Luft ein, als sie von dem Vorfall aus dem Dschungel erfuhr. Nach dem kurzen Gespräch wurde Lia untersucht. Wie sie selber schon vermutete hatte, nachdem sie morgens den kleinen Ansatz entdeckt hatte, war sie bereits über die 12. Woche hinaus. Jedoch nicht allzu weit. "14. Woche", verkündete ihr die Ärztin. Womit Lia ein weiteres Mal in ihrer Vermutung bestätig wurde, dass somit beide Männer in Frage kamen. Wirklich beide Männer? Immer noch war da Lias innere Stimme, die ihr sagte, dass Sam der Vater war. Sie musste sich zusammen reißen und aufpassen, dass sie nicht zu sehr in Gedanken versinken würde. "Und dem da geht es gut?", fragte Lia besorgt nach. Die Ärztin lächelte, "ist ein zäher kleiner Wurm", erklärte sie und deutete auf die gemessenen Herzschläge. Zumindest wusste sich Lia jetzt in Sicherheit, dass es dem Wurm, der in ihr heranwuchs gut ging. "Sie bleiben noch hier, oder gehen sie zurück nach Deutschlang?" wollte die Ärztin als nächstes wissen. Lia zuckte mit den Schultern. "Ich weiß es noch nicht." "Hm? Wir machen erst Mal einen neuen Termin, wenn sie dann doch zurück fliegen sollten, können sie ja bescheid sagen", damit gab sie Lia den Mutterpass und das gemachte Ultraschallbild.

Lia hatte sich einen neuen Termin geben lassen und war dann endlich wieder raus am Wagen, in dem Richard auf dem Beifahrersitz ein wenig gedöst hatte. Sie machte die Tür auf und gab Richard einen Kuss. "Ich dachte schon, du kommst da gar nicht mehr raus." "Na ja, ohne Termin ist es immer ein bisschen schwierig", freudig zeigte sie Richard das Bild. "Aha, und wo is da was?" fragte er ein bisschen unbeholfen nach, war das letzte Bild, was man ihm gezeigt hatte, doch schon zu lange her. Aufgeregt erklärte Lia ihrem Mann das Ultraschallbild. "Wie weit bist du jetzt?" wollte Richard jetzt doch mal wissen. Lias Aufregung verfolg schlagartig. "14. Woche", gab sie zurück. "Dann ist es nicht eindeutig, wie?" Schweigend verneinte Lia. Richard hatte die Rückenlehnen des Sitzes inzwischen wieder in eine aufrechte Position gebracht und stieg nun aus. Er sah Lia an und nahm sie dann in den Arm. "He? Ich hab es dir schon gesagt, mir ist egal, von wem der Wurm ist, okay?" Lia nickte. "Wir gehen jetzt erstmal einen Kaffee trinken, also ich Kaffee, du Kakao", grinste Richard sie an. "Bist du etwa auf Kaffeeentzug?" neckte sie ihn. Richard versah Lia mit einem dieser Blicke, die Lia zu süß fand, sie kam nicht umher, ihn noch einmal zu sich zu ziehen und ihm einen Kuss zu geben.

Sie mussten nicht lange suchen und hatten schnell ein kleines Café an einer Straßenecke gefunden, in dem sie sich niedergelassen hatten und ihre Getränke bestellten.

********************
eben hat es in meinem Kopf noch Sinn gemacht!

Doc_Wuffi

Therapie-Leiter

Beiträge: 806

Registrierungsdatum: 18. Oktober 2006

Wohnort: Mitten in der Pampas von NRW

Beruf: ITA und Mediendesign

  • Nachricht senden

170

Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:25

Re: Neuanfang mit Hindernissen

"Glaubst du, Sam wird damit klar kommen?" Lia war selbst überrascht, dass sie Richard diese Frage gestellt hatte. Er schwieg, wusste er doch keine Antwort darauf. Die Spannung zwischen den Beiden wurde durch die Kellnerin durchbrochen, die ihnen die Getränke servierte. Nachdenklich nahm Richard seine Tasse und schlürfte einen kurzen Schluck des dampfend heißen Getränks. "Er wird damit klar kommen müssen", stellte er dann zweifelnd fest.

Sam war eingeschlafen und wachte jetzt, eine halbe Stunde später, wieder auf. Seine Kopfschmerzen waren nicht verschwunden, wie er gehofft hatte. Aber was hatte er auch anderes erwartet? Obwohl er unter der Decke lag, fror er. Sein Körper zitterte leicht und im selben Augenblick bemerkte er, dass er schwitzte. Sein Ausflug vom Vortag zeigte die ersten Auswirkungen. Normalerweise konnte ihm ein Regenguss beim Training nichts anhaben, aber er wusste selbst zu gut, dass er sich von den Ereignissen in Argentinien noch nicht vollständig erholt hatte.

Wie dumm war es gewesen, in strömendem Regen nach einer übertriebenen Trainingseinheit rum zustehen? Offenbar zu dumm. Sam fühlte sich elend. Im einen Moment war ihm heiß und im nächsten Augenblick zitterte er vor Kälte. Geschafft raffte er sich aus dem Bett auf, zog sich ein paar Trainingssachen über und holte die Wolldecke aus dem Bad, welche er sich sofort umhang. Langsam ging er in die Küche und öffnete dort einen Hochschrank, in dem er Medikamente untergebracht hatte. Wann war er zuletzt wirklich krank gewesen? Er konnte sich nicht daran erinnern, so lange war es schon her.

Dementsprechend gähnte ihm eine Leere aus dem Schrank entgegen, die erschreckend war. Die wenigen Verpackungen, die dort zu finden waren, halfen ihm nicht weiter. Sam schloss die Schranktür und lehnte den Kopf dagegen. Waren die Kopfschmerzen im Liegen noch zu ertragen gewesen, so wurden sie jetzt doch wesentlich schlimmer. Mit unsicheren Schritten bewegte er sich ins Wohnzimmer, wo er sich auf das Sofa fallen ließ. Er rollte sich in die Decke ein und schob sich eines der Kissen unter den Kopf. Seine Augen fielen fast von selbst zu, obwohl er nicht müde war. Trotzdem fühlte er sich erschlagen, ihm taten alle Knochen weh. Er versuchte, noch ein wenig zu schlafen, während seine Gedanken um Lia und das Kind kreisten.

Doc DG

durchgeknallt aber glücklich

  • »Doc DG« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 917

Registrierungsdatum: 18. Oktober 2006

Wohnort: mitten inner pampa von sa

Beruf: erzieher und freizeitdoc

  • Nachricht senden

171

Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:25

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Lia war kurzzeitig mal wieder in Gedanken versunken und schreckte auf. "Sam hatte Kopfschmerzen heut morgen, richtig?" Richard nickte, "war doch ein Glas zu viel." Lia schmollte. "Glaub ich nicht, lass uns zur Vorsicht noch an eine Apotheke ran fahren und was mitnehmen gegen Grippe, er wird sich mit Sicherheit was eingefangen haben." Richard blickte Lia etwas durcheinander an. "Sam ist auch noch nicht so fit, und musste ja unbedingt durch den Regen toben." Beide leerten ihre Getränken, bezahlten, und machten sich auf den Weg eine Apotheke zu finden und noch ein bisschen was einzukaufen.

"So?! Und wie kommen wir nun zurück? Ich hab keine Ahnung, wo wir sind und wie wir hier wieder raus kommen." Lias Finger strichen erneut über den Touchscreen. "Was machst du denn nun schon wieder?" "Die letzten eingegebenen Ziele wieder aufrufen, da is die Adresse von Sam drin", damit hatte sie eben diese raus gesucht. Tomtom suchte kurz nach dem Weg und zeigte Richard dann an, wo es lang ging. Die Rückfahrt verlief genauso schweigend, wie die Hinfahrt. Wieder am Haus angekommen, hüpfte Lia aus dem Wagen und war schon in der Tür drin. "Hmpf", entglitt es ihr, als sie Sam auf dem Sofa liegen sah. "Warum kannst du nicht im Bett bleiben, wenn du dich nicht fühlst?" murmelte sie leise in sich rein und ging zu Sam.

Sam öffnete die Augen, woraufhin sich Lia ertappt fühlte. "Du schläfst ja gar nicht!" "Nein, ich bin nicht müde, nur erschlagen." Lia antwortete darauf nicht, kramte in der kleinen Tüte, die sie von der Apotheke bekommen hatte und stellte Sam einige Medikamente auf den Tisch, "hier, nimm irgendwas davon, sonst liegst du morgen ganz flach", damit verschwand Lia aus dem Wohnzimmer und setzte sich nach draußen ans Ende der Treppe, die zur Veranda gehörte. Richard hatte zwischenzeitlich, den Einkauf in der Küche verstaut und kam nun, an Stelle von Lia ins Wohnzimmer. Er beobachtete kurz, wie Sam die Medikamente etwas genauer unter die Lupe nahm. "Wo ist Lia?" Sam deutete auf die offen stehende Verandatür, "draußen." "Aha, ich nehme mal an, dass du dich nicht viel besser fühlst als heut morgen?!" Sam schüttelte vorsichtig den Kopf, denn auch das bereitete ihm Kopfschmerzen.

Richard ließ Sam im Wohnzimmer samt Medikamente alleine und ging zu Lia raus. Er setzte sich eine Stufe höher, als Lia, hinter sie und nahm sie in den Arm. "Was ist?" er merkte, dass Lia angestrengt nachdachte. "Vielleicht sollten wir doch wieder nach Deutschland fliegen", gab sie nachdenklich von sich. "Jetzt? Sam sollte sich erst mal auskurieren." "Kann er ja, wir fliegen alleine." Richard konnte dieser Aussage nichts abgewinnen. "Woher dieser Sinneswandel?" "Ich weiß nicht, ich denke Sam braucht einfach Zeit, viel mehr Zeit für sich. Offensichtlich ist es für ihn einfacher alleine zu sein, als sich in einer Beziehung wohl zu fühlen. Ich weiß nicht." Richard verstand nicht, was in Lia vorging und antwortete daher auch darauf nicht. "So gesehen, ist es wohl auch meine Schuld, dass es so weit gekommen ist." Nun war Richard komplett verwirrt, "was meinst du denn nun schon wieder?" "Ich habe ihn ja quasi zu einer Entscheidung gezwungen, was die Beziehung anging. Ich wusste, dass er mich liebt und daher nicht viele Möglichkeit gehabt hat. Entweder mit dir und damit dann auch mit mir oder halt gar nicht. Unter normalen Umständen hätte sich Sam bestimmt nicht darauf eingelassen. Hätte er sich nicht auf die Beziehung eingelassen, wäre ihm wahrscheinlich auch so einiges erspart geblieben", seufzte Lia. "Aha, und was?" "Das er zum Beispiel wahrscheinlich nicht seinen Jeep zersägt hätte oder das was jetzt im Dschungel war. Er wäre gar nicht dabei gewesen."

********************
eben hat es in meinem Kopf noch Sinn gemacht!

Doc_Wuffi

Therapie-Leiter

Beiträge: 806

Registrierungsdatum: 18. Oktober 2006

Wohnort: Mitten in der Pampas von NRW

Beruf: ITA und Mediendesign

  • Nachricht senden

172

Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:26

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Sam sah Richard hinterher und warf seufzend die Packung Tabletten auf den Wohnzimmertisch, die er gerade in der Hand hielt. Mit den Augen verfolgte er, wie die Packung über den Tisch hüpfte, um dann auf der anderen Seite herunterzufallen. Er lehnte sich im Sofa zurück. Lias Verhalten nervte ihn gerade ein wenig, aber hatte er sich das nicht selbst zuzuschreiben? Während er ein weiteres Mal seufzte, erhob er sich von der Couch und hing sich die Decke wieder um. Er musste sich erst an die ständige Gesellschaft gewöhnen und er wusste, dass es einige Zeit dauern würde.

Richard musterte Lia schockiert. "Lia!?" gab er erschreckt von sich, "wer sagt dir denn, dass er sich nicht mit dem Jeep totgefahren hätte, wenn du ihn nicht zu einer Entscheidung gezwungen hättest? Hm?" Jetzt war es Lia, die ihren Mann erschrocken ansah. "Die Dinge laufen nun mal nicht so, wie man es plant." Entsetzt sahen die beiden Sitzenden zur Tür, in deren Rahmen Sam lehnte und nun auch seinen Kommentar zu der Unterhaltung abgegeben hatte. "Du kannst doch nicht einfach so hier draußen rum rennen!?" regte sich Lia auf.

Doch Sam blieb wie fest gekettet an seinem Platz im Rahmen. "Lia, ich bin kein kleines Kind mehr und kann relativ gut selbst auf mich aufpassen", antwortete er entschieden.
"Ach ja?" fragte Lia spöttisch. "Ich will mich nicht mit dir streiten", entgegnete Sam. Die Beiden hielten einen Moment den Blickkontakt. Lia war es, die Sams Blick plötzlich auswich. Richard ahnte, dass Sam mehr von der Unterhaltung mitbekommen hatte, als gut war. "Was sagt der Arzt?" fragte Sam schließlich, denn er wollte endlich Klarheit. Lia blieb stumm und Richard sah keinen Sinn darin, für sie zu antworten. Als Sekunden später immer noch keine Antwort kam, seufzte Sam einmal, bevor er verärgert sagte: "Also gut, wenn du meinst, ohne mich besser zurecht zu kommen, dann sag es einfach und halt mich nicht zum Narren." Nach diesen Worten ließ Sam die Beiden auf der Veranda allein und ging zurück ins Haus.

Sein Weg führte ihn nach oben ins Schlafzimmer, wo er aus der einzigen Schublade des Nachttisches einen Schlüssel hervorholte und diesen einen Moment unschlüssig ansah. Dann gab er sich einen Ruck und ging zu der einzigen verschlossenen Tür in seinem Haus. Nachdem er die Tür aufgeschlossen und geöffnet hatte, verharrte er einen Moment im Türrahmen. Sein Blick blieb an ein paar Bilderrahmen hängen, die auf dem Schreibtisch standen. Sarah. Er wollte ihre Stimme hören, doch er wusste, dass dies ein Ding der Unmöglichkeit war. Die Kopfschmerzen hämmerten in seinem Schädel und er ließ sich auf dem Bett im Raum nieder. Noch immer konnte er seine Tochter nicht aus seinen Gedanken verbannen. In die Decke eingerollt legte er sich auf das Bett und schloss die Augen. Er spürte, wie ihm Tränen in die Augen stiegen, aber er war sich nicht sicher, ob es wegen Sarah oder Lia war.

Doc DG

durchgeknallt aber glücklich

  • »Doc DG« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 917

Registrierungsdatum: 18. Oktober 2006

Wohnort: mitten inner pampa von sa

Beruf: erzieher und freizeitdoc

  • Nachricht senden

173

Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:26

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Lia sah verdutzt Sam hinterher, wie er im Haus verschwand. "Hmpf, ich hab nie gesagt, dass ich ohne ihn besser zurecht kommen würde", sie ärgerte sich über die Aussage von Sam, wusste aber auch nicht, was sie jetzt tun sollte. "Du solltest noch mal mit ihm reden, nicht zwischen Tür und Angel", versuchte Richard einzulenken. Abwesend stimmte Lia zu. "Dann mach es bitte auch." Langsam erhob sich Lia von der letzten Stufe, drehte sich um und sah ihren Mann traurig an. "Sam kommt damit nicht zurecht, genauso wenig, wie ich zurzeit irgendwie damit zurecht komme", gab sie erklärend von sich. "Was meinst du?" "Ich...ich weiß nicht...ich kann es irgendwie nicht erklären, also das was in mir vorgeht, aber Sam wahrscheinlich genauso wenig." Richard seufzte, fühlte er sich doch zurzeit, als wenn er zwischen zwei Stühlen sitzen würde. "Bitte rede noch einmal mit Sam." "Das tu ich, keine bange." Sie gab Richard einen Kuss und ging wieder rein.

Im Wohnzimmer entdeckte Lia die Tablettenpackung auf dem Boden, hob sie wieder auf und legte sie auf den Tisch. Sie überlegte, ob sie mehr reininterpretieren sollte, in die am Boden liegende Packung, oder ob sie nur durch einen Zufall dort gelandet war. Sie schob den Gedanken, erstmal beiseite und suchte Sam. Schnell wurde ihr klar, dass er sich nicht im unteren Teil des Hauses befand. "Er wird bestimmt oben sein", hörte sie hinter sich Richard, der nun auch wieder rein gekommen war. Sie nickte und ging in das obere Stockwerk. Ein Blick ins Schlafzimmer verriet ihr, dass Sam nicht dort war. Verwirrt schaute sie sich in der oberen Etage um und entdeckte einen offen stehende Tür, die sonst immer geschlossen war.

Vorsichtig bewegte sie sich auf die Tür zu und blieb im Rahmen stehen. Sie sah, wie Sam zusammen gekauert auf dem Bett lag. Die vereinzelten Tränen auf seinem Gesicht waren ihr nicht entgangen. Sie schaute sich kurz um und wusste, dass dies das Zimmer seiner Tochter gewesen war. Sie wusste, dass sie hier drin nichts verloren hatte, fragte aber trotzdem leise: "Darf ich rein kommen?" Sam blickte nur kurz auf und nickte unmerklich. Lia schritt langsam in das Zimmer, hatte sie doch Angst, etwas zu berühren oder gar durcheinander zu bringen. Am Bett angekommen, setzte sie sich neben Sam auf das Bett. "Können wir reden?" bat sie leise. Wieder nur ein kurzer Blick von Sams Seite her. "Worüber denn?" war die bockig Gegenfrage. Lia unterdrückte ein Seufzen. "Über uns, und was jetzt ist und wie es werden soll, bitte!" flehte sie ein weiteres Mal.

Sam sah Lia nun länger, als einen kurzen Augenblick an. Sie verstand es als Aufforderung. "Sam? Ich würde dich nie zum Narren halten, dazu liebe ich dich viel zu sehr. Wie kommst du darauf, dass ich ohne dich besser zu Recht kommen würde? Weil ich gesagt habe, dass ich zurück fliegen will? Aber doch nur, weil ich nicht weiß, wie mit dem allen hier umgehen soll", gab sie zu und wischte Sam die letzten Tränen aus dem Gesicht. "Du hast mich zu keiner Entscheidung gezwungen, ich habe die Entscheidung für mich getroffen, weil ich in deiner Nähe sein wollte", sagte Sam sehr leise. Lia bemerkte, wie Sam anfing zu zittern.

Lia stand, ohne ein Wort zu sagen, auf und wollte das Zimmer verlassen. "Wohin gehst du?" "Ich komme gleich wieder", damit verschwand sie schnell aus Sarahs Zimmer, huschte ins Schlafzimmer und holte noch eine Decke. Damit ging sie zurück zu Sam und legte ihm diese auch noch über seinen zitternden Körper. Dankbar zog er sich die Decke noch enger um seinen Körper. "Sagst du mir nun, was der Arzt gesagt hat?" fragte Sam noch einmal. "Das was ich gestern schon vermutet habe. Es ist nicht eindeutig, ich bin in der 14. Woche und somit kommt ihr beide in Frage." Sam sah sie erstaunt an, "14. Woche schon?" Lia nickte bestätigend. "Hast du immer noch dieses Gefühl, was dir sagt, dass ich..." Sam brach ab, immer noch zu absurd, war für ihn dieser Gedanke. "Ja, hab ich. Aber ich denke mal, dass erst ein Test Gewissheit bringt, ob ich mich auf mein Gefühl verlassen kann oder nicht." Sie sah ihn an. "Sam? Ich würde gerne hier bleiben, hier bei dir, in den Staaten", gestand sie, hatte sie es doch bisher nur Richard gesagt. Lia merkte, wie Sam mit alle dem erst mal klar kommen musste. "Du wärst jetzt wohl lieber alleine, hm?" Sie strich ihm zärtlich durchs Gesicht und wartete auf eine Reaktion seinerseits. Nichts, wie so oft. "Is gut, ich lass dich besser alleine", sie gab ihm noch einen Kuss auf die Stirn und verließ langsam das Zimmer.

Sie hatte ihm gesagt, was sie gestern schon vermutet hatte und das sie eigentlich gerne bei ihm bleiben würde. Wie Sam jetzt mit dem Ganzen umging, wusste sie nicht. Sie wusste nur, dass Sam nun Zeit brauchen würde, um darüber nachzudenken.

Noch einmal drehte sich Lia zu Sam um, sah aber, dass er schon schlief. Ein wenig bedrückt, ging sie nach unten, wo sie Richard in der Küche fand. "Na? Hast du mit ihm gesprochen?" "So mehr oder weniger, er schläft jetzt." Richard hantierte in der Küche rum und war grad dabei etwas zu kochen. "Hat er die Medikamente schon genommen?" Lia verneinte stumm. "Hm? Lass ihn erst mal ein bisschen schlafen, mal sehen, wie es ihm nachher geht." Lia ließ sich, wie ein nasser Sack, auf einen der Stühle fallen und beobachtete Richard beim kochen. Ihr Mann bemerkte, dass Lia sich immer noch Gedanken machten. "Wir kriegen das hin, ganz bestimmt", er gab ihr noch einen Kuss und widmete sich dann wieder dem Essen.

Einige Zeit später hatten Lia und Richard gegessen, Sam war nicht wach zu bekommen, sehr zur Sorge von Lia. Nach dem Essen, half Lia Richard die Küche wieder auf Vordermann zu bringen und ging anschließend zurück ins Wohnzimmer, wo sie sich die Medikamente einkrallte und damit schließlich zu Sam wanderte. Leise betrat sie das Zimmer und hockte sich vor das Bett. Sanft strich sie ihm einige Strähnen aus dem Gesicht und bemerkte dabei, dass er offensichtlich Fieber hatte. "Sam?" flüsterte sie, "bitte Sam, werd wach, du hast Fieber, wir müssen was dagegen tun." Sam rührte sich zunächst nicht, öffnete dann jedoch unter großer Kraftanstrengung seinen Augen. Lia lächelte ihn an, "hey, wie fühlst du dich?" fragte sie leise nach, bekam aber keine Antwort.

Lia hatte ein Glas Wasser mitgebracht und hielt es Sam, mit samt den Tabletten, unter die Nase. "Bitte nimm die Medikamente", flehte sie ihn an, da sie nicht wusste, wie Sam mit so was umging. Sie sah, wie Sam immer noch zitterte und sich versuchte weg zu drehen. "Nein, bitte nicht..." Sie wollte nicht so schnell aufgeben, "Sam? Ich will nicht, dass du noch höheres Fieber bekommst und der Schüttelfrost ist auf Dauer auch keine Lösung." Sie konnte sehen, wie Sam das komplette Programm einer Erkältung durchlief. Sie konnte nur erahnen, wie er sich im Moment fühlte. Immer noch hielt sie das Glas und die Tabletten in den Händen. Erwartungsvoll blickte sie ihn an.

Schließlich raffte sich Sam ein kleines Stück auf, so weit es seine Schmerzen zuließen. Er wollte nach dem Glas greifen, unterließ es jedoch, da ihm seine Muskeln den Dienst versagten. "Warte", Lia legte die Tabletten die beiseite und suchte stattdessen nach der amerikanischen Wick Medinight Ausgabe. Sie nahm den kleinen Becker vom Verschluss und füllte ihn mit einer bläulich aussehenden Substanz, was wohl als Erkältungssaft bezeichnet werden konnte. Vorsichtig führte sie den kleinen Becher an Sams Mund, so dass er den Erkältungssaft nur noch runter zu schlucken zu brauchte. Lia grinste flüchtig, verzog Sam doch angewidert das Gesicht. "Das nächste Mal kriegste nen Löffel Zucker dazu, versprochen." Sam ging davon, dass Lia mehr nicht wollte, hatte er sich doch schon wieder richtig hingelegt. "Halt stopp, die hier musst du auch noch nehmen...bitte." Sam drehte den Kopf energisch weg. Lia seufzte, "na gut, dann nicht." Sie beließ es dabei, hatte sie doch schon mitbekommen, dass Sam durchaus ein Sturkopf sein kann.

Sie strich ihm noch einmal vorsichtig über die Wange und gab ihm einen Kuss, ehe sie wieder das Zimmer verließ und ihren Mann aufsuchte. "Wie geht es ihm?" "Im Moment gar nicht gut, er hat Fieber bekommen...ich hoffe, dass die Medikamente was bringen." Immer noch besorgt um Sam, kuschelte sie sich bei Richard ein. "Wenn sie nicht helfen, dann rufen halt beim Doc an." "Meinst du, dass Sam das überhaupt will?" fragte Lia kritisch nach. Richard zuckte mit den Schultern, "keine Ahnung, lass uns morgen abwarten, wie es Sam geht."

Lia und Richard kuschelten eine ganze Weile auf dem Sofa. Schließlich war es Lia, die sie aufsetzte und Richard ansah. "Ich habe Sam gesagt, dass es wohl besser wäre, wenn wir doch einen Vaterschaftstest machen lassen, um definitiv Klarheit zu haben. So lange es nur mein Gefühl ist, was mir sagt, dass Sam der Dad ist, wird er damit wohl nicht zurecht kommen." Richard streichelte seiner Frau zärtlich durchs Gesicht. "Das wird wohl das Beste sein."

Lia schlief in der Nacht unruhig. Nicht nur, dass ihr Sam im Bett fehlte, sondern auch der ihr altbekannte Albtraum war in der Nacht wieder kommen. Erschrocken schlug sie die Augen auf und sah sich um. Sie musste sicher gehen, dass sie nicht mehr im Dschungel war. Ihr Blick ging zu ihrer rechten, wo Richard ruhig atmend neben ihr lag. Der Traum hatte Lia aufwachen lassen und würde sie jetzt auch nicht mehr schlafen lassen. Leise schlug sie die Decke weg und stand auf. Ihr Weg führte sie direkt zu Sam.

Wieder einmal hockte sie sich vor das Bett und strich Sam einige Strähnen aus dem Gesicht. Seine Haut fühlte sich kühl und verschwitzt an. Jedoch konnte Lia kein Fieber mehr feststellen, was sie ein wenig ruhiger werden ließ. Lia setzte sich vor das Bett, legte ihren linken Arm auf das Bett und darauf ihren Kopf. Mit ihrer rechten Hand strich sie Sam weiter durch sein Gesicht. Durch Sams ruhig schlafende Art, dauerte es nicht lange, bis Lia schließlich am Bett von Sam einschlief. Sie wurde erst wieder wach, nach dem es bereits hell draußen geworden war und ihr jemand durchs Haar strich. Sie schaute sich um und entdeckte Richard neben sich. "Morgen", murmelte sie. Ihr nächster Blick ging zu Sam, der immer noch schlief.

Richard gab seiner Frau einen Kuss und half ihr rauf. "Es geht ihm immer noch nicht besser", wimmerte sie halb verschlafen und ließ sich dabei von Richard aus dem Zimmer schieben. "Wir werden jetzt erstmal ein bisschen was frühstücken und danach sehen wir, wie es Sam dann geht." Lia wollte zurück zu Sam, doch ihr Mann hielt sie zurück. "Lia? Willst du auch noch krank werden? Das wäre jetzt gar nicht gut für dich." Einsichtig ging Lia mit Richard nach unten in die Küche. "Aber...was ist, wenn es ihm nachher immer noch nicht besser geht?" Richard seufzte, ging es ihm doch nicht anders, wie Lia. Er machte sich genauso Sorgen um Sam, wie seine Frau. "Wenn es nicht besser wird, dann rufen wir einen Arzt, wie ich gestern gesagt habe." Zumindest das, ließ Lia für den Moment wieder ein weniger ruhiger werden.

Beide hatten gerade die letzten Reste vom Frühstück weggeräumt, als es an der Tür klopfte. "Geh schon", trällerte Lia und hüpfte mit übertrieben guter Laune zur Tür und öffnete. "Oh? Hallo, haben sie was vergessen gestern?" Lambert grinste. "Nein, darf ich rein kommen?" Lia schlug sich vor die Stirn, "Entschuldigung, ja natürlich, kommen sie rein." Lia machte Platz, dass Lambert eintreten konnte. "Sam noch gar nicht wach?" fragte Lambert skeptisch nach. Lia verneinte bedrückt. "Er hatte gestern Fiebern und ich nehme mal an, dass er die gesamte Palette einer Erkältung abbekommen hat." Erstaunt zog Lambert seine Augenbraue hoch. "Was habt ihr ihm gegeben?" war daher die alarmierte Frage von Lambert. "Bisher nur einen Erkältungssaft, was anderes wollte er nicht nehmen." Lambert schien beruhigt zu sein und grinste nun flüchtig. "Das wird bei Sam nicht sehr viel ausrichten." Nun war es Lia, die etwas erstaunt drein blickte. "Nicht?" Wieder in flüchtiges Lächeln von Lambert. "Wo ist er? Im Schlafzimmer?" Lia verneinte, "er schläft bei seiner Tochter im Zimmer." Lia konnte sehen, wie die Verwirrung in Lamberts Gesicht geschrieben stand.

Richard kam aus der Küche und begrüßte Lambert. Er grinste "Kaffee?" "Gerne." Damit war Richard ein weiteres Mal in der Küche verschwunden. Lambert hatte sich zwischenzeitlich in einen der beiden Sessel gesetzt. "Seit wann geht das jetzt mit Sam?" "Seit gestern morgen. Da hatte er erst nur Kopfschmerzen." Gedankenverloren nickte Lambert. "Ich weiß gar nicht, wann Sam das letzte Mal richtig Krank war", murmelte er vor sich hin. "War er heute denn schon mal wach?" "Bisher nicht", immer noch überlegte Lia, was Sam an Medikamente brauchen würde, damit diese bei ihm anschlagen würden. Lambert schien dies nicht zu entgehen. "Sam braucht nur etwas stärkere Medikamente, als das Übliche aus der Apotheke", erklärte er. Lia nickte nur stumm. "Ihr wart gestern beim Doc?" wollte Lambert neugierig wissen. Wieder nur ein stummes Nicken ihrerseits. Lia hatte bis eben ein wenig abwesend gewirkt und musste sich wieder in die Realität zurückholen, erst jetzt bemerkte sie, dass Lambert sie ansah. "Ich bin jetzt in der 14. Woche", gab sie schließlich von sich. "Ist denn dadurch klar, wer der Vater ist?" "Nein, Klarheit kriegen wir erst durch einen Test", seufzte sie. "Hm? Das klingt, als wenn du davon nicht so begeistert wärst" mutmaßte Lambert. "Na ja, doch schon, so irgendwie. Aber es würde für mich keine Rolle spielen..." Lambert unterbrach sie, "aber für Sam, hm?" Lia nickte. "Sam ist eher ein Mensch, der für klare Verhältnisse ist", sprach er weiter.

Richard war wieder ins Wohnzimmer gekommen und hielt Lambert eine dampfende Tasse heißen Kaffees hin. "Danke." Richard setzte sich zu Lia und nahm selber erst einmal einen Schluck, des schwarz-bräunlichen Gebräus. "Hee? Und ich? Ich darf wieder selber laufen, hm? Wie rührend du dich um mich kümmerst", gab Lia ironisch von sich, ehe sie aufstand und in der Küche verschwand, um sich auch etwas zu trinken zu holen. Beide Männer grinsten. "Ja ja, grinst ihr mal", kommentierte Lia aus der Küche. "Wie soll es jetzt bei euch weiter gehen?" Lambert war neugierig, wollte er doch wissen, wie es in Zukunft um seinem Freund stand. "So genau wissen wir das wohl alle selber noch nicht." Lambert nickte verständnisvoll. "Sam war schon immer mehr ein Einzelgänger, als ein Familienmensch. Die Umstellung, wenn es so kommen sollte, wird ihm sicherlich schwer fallen." Lia kam mit einem heißen Kakao wieder zurück aus der Küche und setzte sich wieder neben ihren Mann. "Den Eindruck hab ich auch." seufzte Richard und versah seine Frau mit einem liebevollen Blick. "Ich denke, erstmal muss Sam wissen, was er will", gab Lia in die Runde. "Er weiß was er will." "Aha?!" war das Einzige, was Lia raus bekam. Lambert grinste, "er will bei dir sein." fügte er erklärend hinzu. "Das hat er ihnen gesagt?" kam nur erstaunt von Lia. "Nein, aber ich kenne ihn lang genug, um es an seiner Art und Weise ablesen zu können. Sam ist und war nie ein großer Redner." Lia grinste, "DAS hab ich auch schon raus gefunden."

"Wisst ihr den wenigstens, ob ihr hier bleiben wollt? Oder wollt ihr demnächst wieder zurück nach Deutschland?" Lia fuchtelte aufgeregt mit den Armen umher, konnte sie doch gerade nicht antworten, dass sie mit einem Schluck heißen Kakaos zu tun hatte. Richard lachte, "ja doch, ganz ruhig, verschluck dich nicht." Lia streckte ihm die Zunge raus, eh sie sich an Lambert wandte. "Ich würde gerne hier bleiben, aber Sam hat bisher noch nichts dazu gesagt, oder konnte nicht, ich weiß es nicht." "Auch wenn die Einsamkeit sein ständiger Begleiter ist, denke ich nicht, dass er nein sagen würde. Lia? Er liebt dich, warum sollte er zulassen, dass du gehst?" Sie zuckte ratlos mit den Schultern. "Vielleicht, weil er grad selber erst mal zurecht kommen muss mit der ganzen Situation." Lambert seufzte, er merkte, dass es mit Sam zurzeit schwierig war, nicht zu letzt wegen der Tatsache, dass Lia schwanger war.

"Was machen wir denn jetzt mit Sam? Wenn die 08/15 Standartmedikamente bei ihm nicht anschlagen, was denn dann?" Da war sie wieder, die Besorgnis um Sam, die Lia einfach nicht ablegen konnte. "Ich werde einen Arzt herkommen lassen, der Sam noch einmal gründlich untersuchen wird", damit war Lambert auch schon aufgestanden, holte sein Handy aus seiner Jackentasche und ging nach draußen. Nach einem kurzen Telefonat trat Lambert wieder ein. "Ich nehme mal an, dass es nicht einfach irgendein Arzt sein wird?" vermutete Richard fragend. "Nein, kein gewöhnlicher Arzt", mehr wollte Lambert im Moment nicht sagen. Lia hatte die beiden Männer allein gelassen und war schon wieder bei Sam.

"Du scheinst den Schlaf dringend nötig zu haben, wie?" sprach sie leise, den vor sich liegenden an. "Lambert ist hier, er macht sich offensichtlich auch Sorgen. Genauso wie ich." Sie war sich nicht sicher, wie tief Sam wirklich schlief, aber er sollte spüren, dass er nicht alleine war. Immer wieder strich sie ihm sorgenvoll durch sein Gesicht, mehr konnte sie im Moment nicht tun. "Ein Arzt ist auf dem Weg hierher", hörte sie mitten mal Lambert hinter sich, der im Türrahmen stehen geblieben war und sich das Zimmer ansah. Sie nickte zustimmend und bliebt bei Sam, bis der Arzt schließlich eintraf und sie mit Lambert tauschte.

Unruhig tigerte Lia im Wohnzimmer auf und ab. "Lia?" Richard stellte sich seiner Frau in den Weg und nahm sie in den Arm. "Es wird nur eine starke Erkältung sein, bitte mach dich nicht verrückt", er hob ihr Kinn an und gab Lia einen zärtlichen Kuss. Lambert räusperte sich leise, als er das Wohnzimmer gemeinsam mit dem Arzt betrat. Erwartungsvoll blickte Lia zwischen dem Arzt und Lambert hin und her. Der Arzt ließ für Sam zwei Medikamente da und erklärte, dass er diese morgens und abends einnehmen sollte. "In ein, zwei Tagen sollten die Medikamente anschlagen, dann geht es Mr. Fisher auch wieder besser", ließ der Arzt verlauten, eh er sich von Lambert raus begleiten ließ. "Sam wird sich schnell erholen", beruhigte Lambert Lia, als dieser wieder im Wohnzimmer stand. Ihm war der besorgte Ausdruck in Lias Gesicht nicht entgangen. "Wird Sam die Medikamente nehmen?" Es war zurzeit Lias größte Sorge, dass sie Sam womöglich nicht dazu bewegen konnte, die Sachen einzunehmen. Lambert grinste, "bestell ihm einen Gruß von mir, er soll die Medikamente auf Anweisung nehmen." "Na wenn das mal was bringt", zweifelte Lia an. "Im Normalfall schon", Lambert war im Begriff und zu gehen, was Lia irgendwie gar nicht wollte. "Wollen sie nicht noch zum Essen bleiben?" Lambert lehnte dankend ab. "Ich muss noch zur Agency", erklärte er und verabschiedete sich schließlich.

Lia war in den kommenden Stunden nicht von Sams Seite zu bekommen. So das Richard sich dazu entschloss, seiner Frau Gesellschaft zu leisten. Er hatte einige Kissen und Decken aus dem Schlafzimmer geholt, um es ein wenig gemütlicher zu haben. Lia hatte sich mit dem Rücken an die Schulter ihres Mannes gelehnt, so dass sie weiterhin Sam beobachten und ihm durchs Haar streichen konnte. Lia konnte nur vermuten, ob Sam irgendetwas um sich rum wahrnahm, in den kurzen Augenblicken, in denen er wach war, so dass sie ihm die Medikamente geben konnte.

********************
eben hat es in meinem Kopf noch Sinn gemacht!

Doc DG

durchgeknallt aber glücklich

  • »Doc DG« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 917

Registrierungsdatum: 18. Oktober 2006

Wohnort: mitten inner pampa von sa

Beruf: erzieher und freizeitdoc

  • Nachricht senden

174

Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:27

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Richard hatte es zum Abend hin geschafft, mit Engelszungen auf Lia einzureden, dass sie die Nacht nicht am harten Boden vor Sams Bett verbrachte, sondern in einem weichen Bett. Eng umschlungen schlief er mit Lia ein. Nur um am nächsten Morgen feststellen zu müssen, dass er mal wieder alleine war im Bett. Richard war es nicht möglich, abschätzen zu können, wie lange Lia schon aus dem Bett war. Seufzend ließ er sich wieder in sein Kissen fallen, um richtig wach zu werden.

Der Morgen hatte bisher noch keine Besserung gebracht bei Sam, so dass Richard es gar nicht versuchen brauchte, seine Frau von ihm weg zu bekommen. Richard suchte im laufe des Tages Ablenkung in der Küche, wie schon die voran gegangenen Tage. Er kochte. War dies doch für ihn zurzeit die einzige Möglichkeit, sich selber ein wenig Ablenkung zu verschaffen.

********************
eben hat es in meinem Kopf noch Sinn gemacht!

Doc DG

durchgeknallt aber glücklich

  • »Doc DG« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 917

Registrierungsdatum: 18. Oktober 2006

Wohnort: mitten inner pampa von sa

Beruf: erzieher und freizeitdoc

  • Nachricht senden

175

Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:27

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Lia war im laufe des Tages am Bett von Sam ein wenig eingedöst und schreckte hoch, als sie eine Berührung spürte. Sie brauchte eine Winzigkeit, bis merkte, dass die Berührung von Sam kam. "Wie lange hockst du hier schon?" fragte dieser leise. Lia grinste ihn an. "Wie fühlst du dich?" Sam schüttelte den Kopf. "Erst meine Frage, dann beantworte ich deine." Lia verzog die Mundwinkel zu einem Schmollmund. "Menno, ich weiß nicht, seit heut morgen", gab sie schmollig von sich. "Das soll ich glauben?" "He? Frag Richard...egal. Nun bist du dran, wie fühlst du dich?" wiederholte sie ihre Frage. "Noch ein wenig schlapp, aber besser, wie die letzten Tage." Lia strahlte über beide Ohren, war sie doch froh, das von Sam zu hören. Sie rappelte sich auf, gab Sam einen Kuss und verließ das Zimmer. "Du gehst?" fragte Sam verwirrt. "Zu Richard, ihm sagen, dass du wieder wach bist", überlegend sah sie Sam an, "soll ich wiederkommen?" fragte sie schließlich frech grinsend. "Hmpf, ja bitte", gab von Sam noch etwas kraftlos. "Gut, bin gleich wieder da." Lia war schon im Flur und auf der Treppe nach unten unterwegs, so dass sie ihre Antwort nach oben in Sams Richtung rufen musste.

********************
eben hat es in meinem Kopf noch Sinn gemacht!

Doc_Wuffi

Therapie-Leiter

Beiträge: 806

Registrierungsdatum: 18. Oktober 2006

Wohnort: Mitten in der Pampas von NRW

Beruf: ITA und Mediendesign

  • Nachricht senden

176

Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:28

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Sam ließ sich wieder in die Kissen zurück fallen und schloss noch einmal seine Augen. Er spürte, wie ihm der Schlaf der vergangen Stunden gut getan hatte. Aber gleichermaßen, spürte er immer noch leichte Kopf- und Gliederschmerzen. Er war sich nicht sicher gewesen, ob er tatsächlich Lamberts Stimme vernommen hatte, in den letzten Stunden, oder ob ihm seine Nerven einfach nur einen Streich gespielt hatte. Langsam öffnete Sam wieder seine Augen und blickte sich im Zimmer um.

Auch jetzt war er sich wieder nicht sicher, weshalb er hierher gekommen war. Lia hatte ihm gesagt, dass sie wüsste, dass er Sarah vermisste und dass niemand ihren Platz einnehmen könnte. Warum kamen ihm ausgerechnet jetzt die Worte von Lia wieder in den Sinn? Er wusste es nicht. Das nächste was Sam in den Sinn kam, dass Lia im gesagt hatte, dass sie gerne hier bleiben würde. Sams Gedanken schienen sich mal wieder zu überschlagen und um ihn herum begann sich alles zu drehen. Erneut schloss er seine Augen, er wollte dadurch versuchen, dass Karussell in sich zu stoppen. Es gelang ihm weitest gehend.

Lia! Er liebte sie, darin bestand kein Zweifel, aber würde er sich der Aufgabe gewachsen fühlen, sich um ein Kind kümmern zu können? Immer noch waren die Zweifeln in ihm nicht zu überhören. Sollte er tatsächlich auf Lias Gefühl vertrauen? Ihr glauben, dass er tatsächlich der Vater ist? Auch jetzt noch, wusste er keine Antwort darauf.

Das einzige, was er jetzt in diesem Moment wusste, war, dass er Lia um sich haben wollte. Er konnte das Gefühl in sich nicht erklären, wieso oder weshalb es jetzt so war. Aber wollte zumindest diesem Gefühl, in diesem Moment nachkommen. Er verdrängte ein wenig die Schmerzen, die sich immer noch in seinem Körper bemerkbar machten. Er wollte Lia in die Arme schließen. Jetzt. Einfach ihre Nähe spüren. Sam überging, seine innere Stimme, die immer noch nach dem Wieso und Weshalb fragte. Vielleicht würde er eine Antwort finden, wenn Lia wieder bei ihm war. Doch jetzt, würde er keine finden.

Seine Augen wanderten von der offen stehenden Tür, zu dem Tisch, der direkt daneben stand. Sarah. Er hatte sich gewünscht, noch einmal ihre Stimme hören zu können, wusste aber nur zu gut, dass es einfach nicht mehr machbar war. Lia hatte Recht, als sie sagte, dass er Sarah vermisste. Er vermisste so sehr, dass er manchmal das Gefühl bekam, er könne nicht mehr atmen, wenn er an sie dachte.

Sein Blick ging ein Stück weiter und blieb erneut an den Bildern hängen, wo ihm Sarah entgegen lachte. Wie paralysiert starrte Sam auf die Bilder. Er seufzte, ihm wurde klar, dass er in seinem Herzen Platz machen musste. Sarah hatte einen großen Teil seines Herzens in Anspruch genommen, was so auch bleiben würde, aber er musste zulassen, dass auch Lia und Richard darin mehr Platz finden würden, als die kleinen Ecke, die Sam ihnen bisher zugestanden hatte.

Doc DG

durchgeknallt aber glücklich

  • »Doc DG« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 917

Registrierungsdatum: 18. Oktober 2006

Wohnort: mitten inner pampa von sa

Beruf: erzieher und freizeitdoc

  • Nachricht senden

177

Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:28

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Lia kam zurück ins Zimmer und bemerkte Sams starren Blick, sie verfolgte ihn und erblickte die Fotos. Langsam ging sie auf Sam zu, ohne ihm dabei den Blick auf die Bilder zu verwehren. Sie hatte keine Ahnung, ob oder was sie sagen sollte. Sie würde keine passenden Worte finden, die auch nur ansatzweise das ausdrückten, was Sam fühlte oder die ihm darüber hinweg helfen konnten. Sie hockte sich wieder ans Bett und hoffte das Sam aus seiner Lethargie wieder erwachen würde. Lia hatte sich schon darauf eingerichtete, dass Sam sie nicht beachten würde, doch sie sollte sich irren. Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Sam seinen Blick von den Bildern löste und sie nun stattdessen ansah. Freudig und zugleich verwirrt erwiderte sie seinen Blick. Sam wühlte unter den Decken hervor, berührte Lia am Arm und zog sie schließlich zu sich unter die Decke.

Lia war immer noch verwirrt und doch konnte sie in diesem Moment kaum glücklicher sein. Sie spürte wie Sam sie sanft im Nacken liebkoste und leise murmelte: "Lia, lass mich nicht allein." Würde Sam es schaffen, sie noch mehr zu verwirren, als sie es jetzt schon war? Mal wieder war die Antwort ungewiss. Sie drehte sich, in seinen Armen, zu ihm, strich ihm, wie schon so oft durch sein Gesicht und küsste Sam innig. Sie hoffte, dass es für ihn Antwort genug war, war sich aber nicht sicher und antwortete daher in genauso leisem Ton: "Nein, werd ich nicht."

Immer noch durcheinander kuschelte Lia mit Sam. Sie hatte intuitiv gehandelt, aus dem Bauch heraus, ohne eigentlich darüber nachzudenken. Was gab es auch darüber nachzudenken? Sam hatte ihr gesagt, ihn nicht alleine zu lassen. Sie wollte es nicht und hatte daher auch gleich darauf geantwortet. Ein Fehler? Nein, gewiss nicht. War dies die Antwort von Sam darauf, dass sie hier blieben sollte? Das Sam für den Wurm nun bereit war? Oder sollte Lia ihn jetzt einfach in diesem Moment nicht alleine lassen? Die Verwirrung in ihr stieg nur an, statt sich ein wenig zu beruhigen.

Richard befreite Lia aus ihren verworrenen Gedankengängen, in dem er im Türrahmen aufgetaucht war. "Hey? Wie fühlst du dich?" Lia grinste und wusste, dass Sam gemeint war, konnte es aber einfach nicht lassen. "Joah, danke, eigentlich ganz gut, könnte ein bisschen was zwischen die Kiemen vertragen, dann würde es mir wohl besser gehen", antwortete sie frech anstelle von Sam. "Sag mal, hab ich hier vom Kuchen gesprochen, dass du Krümel dich melden musst?" konterte Richard grinsend. "Ich bin kein Krümel, klar? Wenn, dann is hier höchsten einer drin, hmpf." Damit deutete Lia schmollend auf ihren Bauch. Richard lachte kurz und versuchte es noch einmal mit seiner Frage, die sich immer noch an Sam richtete. "Wie fühlst du dich? Hunger?" Lia holte Luft, um etwas sagen zu können, doch Sam schien dies voraus geahnt zu haben und hielt Lia, mit seiner Hand, den Mund zu. Sie quiekte leise auf und wollte sich frei zappeln, doch Sam ließ sich davon nicht beirren. "So weit ganz gut", ging er nun auf Richards Frage ein, "ein bisschen Hunger hab ich, aber nicht doll." Richard grinste und beobachtete amüsiert, den kleinen Kampf zwischen Lia und Sam.

"Gut, Essen ist soweit fertig, wir können dann auch gleich essen", damit verließ Richard immer noch grinsend das Zimmer. Lia hatte es nun doch geschafft, sich frei zu zappeln, "menno!" Sam lächelte ein wenig und gab Lia einen Kuss. Er wickelte sich aus den Decken frei und setzte sich auf. "Ich brauch erst mal eine Dusche", sagte er leise. "Ist gut, dann geh ich schon zu Richard runter." Sam nickte und stand langsam auf. Er wollte seinen Kreislauf nicht gleich wieder zum Absturz bringen. Lia stand neben Sam und beobachtete das Unterfangen, "geht´s?" fragte sie daher. Sam nickte, sah aber, dass Lia sich Sorgen machten. "Ich werd es schon bis unter die Dusche schaffen", beruhigte er Lia. "Aha und auch wieder raus?" Sam lächelte flüchtig, "keine bange." Zur Beruhigung gab er Lia noch einen Kuss und steuerte dann endlich das Bad an.

Sam hatte wirklich nicht viel gegessen, aber es sollte reichen, um Lia und Richard aus ihren Sorgen zu befreien. Nach dem Essen, machte sich Sam auf dem Sofa lang. Lia war noch oben ins Schlafzimmer gewuselt und hatte für Sam eine Decke geholt, in der sie ihn wieder einwickelte. "Lia? Ich...hmpf, das ich kann ich alleine", damit hatte er ihr das letzte Stück der Decke abgenommen und um sich rum gewickelt. "Siehst du?" "Schon gut, tut mir leid." Sam sah Lia mit seinen grünen Augen an, "kommst du her?" fragte er sie nicht sehr laut. Lia nickte und krabbelte zu Sam auf das Sofa, um sich ankuscheln zu können. Richard beobachtete das Ganze aus einiger Entfernung. Er war froh, dass Lia wieder ein wenig aus sich heraus kam. Schließlich widmete sich Richard seinem Mac. Die Ruhe und Abgeschiedenheit hier, sorgten dafür, dass Richard ungewöhnlich viele Ideen bekam, die umgesetzt werden wollten.

********************
eben hat es in meinem Kopf noch Sinn gemacht!

Doc_Wuffi

Therapie-Leiter

Beiträge: 806

Registrierungsdatum: 18. Oktober 2006

Wohnort: Mitten in der Pampas von NRW

Beruf: ITA und Mediendesign

  • Nachricht senden

178

Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:29

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Richard saß seinem Mac gegenüber und wusste eigentlich nicht so Recht, wo er anfangen sollte. Ihm schwirrten Ideen durch den Kopf, keine Frage, aber so recht konnte er sich nicht auf die Umsetzung konzentrieren. Immer wieder schweiften seine Gedanken zu Lia und somit auch zu Sam. Auch wenn beide jetzt zusammen gekuschelt auf dem Sofa lagen, so löste es immer noch nicht das vorliegende Problem. 'Problem?' überlegte Richard, war die Schwangerschaft von Lia wirklich ein Problem? Nein, es wurde zu einem gemacht. Gedankenverloren huschte der Zeigefinger über das kleine Touchpad des Powerbooks, ohne wirklich zu wissen, was er eigentlich machte. Zu sehr kreisten seine Gedanken um Lia. War er zurzeit der einzige, der sich ein wenig über das heranwachsende Glück in Lia freute?

Bisher hatte Richard noch kein Anzeichen der Freude, bei Sam entdecken können. War er noch zu sehr mit dem Verlust seiner Tochter beschäftig? Für Richard gab es daran kein Zweifel, aber wozu hatte sich Sam dann in eine fast dreimonatige Behandlung begeben, wenn er am Ende, es doch nicht schaffte darüber hinweg zu kommen? Es ergab für Richard keinen Sinn. Er hatte immer wieder versucht, sich vorzustellen, wie es ihm ergangen wäre, wenn er Khira verloren hätte, doch er konnte diesen Gedanken nie zu Ende bringen. Zu sehr schmerzte ihn diese Vorstellung. Wahrscheinlich hätte er den gleichen Schritt getan, wie Sam und sich in eine therapeutische Behandlung begeben, um damit fertig zu werden.

Womit seine Gedanken wieder bei Sam waren. Wozu die Therapie, wenn es ihn jetzt doch wieder zurück in ein Loch katapultierte? So Recht konnte er nicht nachvollziehen, wovor Sam solche Angst hatte. Er hatte ihm doch gesagt, dass er auf keinen Fall alleine damit bleiben würde. Wie auch? Es war eine Dreierbeziehung. Sam würde nie alleine sein. Oder hatte er Angst, den Wurm alleine zu lassen? War es vielleicht das, weswegen Sam so zögerte, sich dazu zu äußern? Sams Job brachte mit sich, dass er anscheinend oft unterwegs war. Richard schüttelte leicht den Kopf, daran alleine konnte es nicht liegen. Richard war, bedingt durch Touren, auch oft unterwegs gewesen. Lag es vielleicht an dem Risiko, dem Sam jedes Mal ausgesetzt war? Richard seufzte. Er würde keine Antwort finden, allerhöchstens von Sam persönlich und ob dies der Fall sein würde, wagte Richard jetzt mal zu bezweifeln.

Er hörte Lia, die anscheinend mit Sam rum alberte.
Lia! Im Moment war ihm eher danach, sie einfach zu nehmen und mit ihr zurück nach Deutschland zu fliegen. Jetzt im Augenblick fühlte sie sich wieder gut und war offensichtlich glücklich darüber, dass es Sam wieder besser ging. Doch wie wird es ihr wieder ergehen, wenn der Test tatsächlich das bestätigte, was sie vermutete, das Sam der Vater ist? Würde Sam wirklich damit umgehen können? Es stand für Richard außer Frage, dass Sam dazu stehen würde, aber wie würde das Zusammenleben danach Aussehen? Zurzeit konnte Richard sich nicht vorstellen, dass es genauso unbeschwert weiter ging, wie vor dem Bekannt werden der Schwangerschaft.

Er merkte, wie ihm die vielen Gedanken anfingen Kopfschmerzen zu bereiten. Würde es überhaupt mal wieder aufhören, dass man sich ständig Gedanken machten? Er hatte das Gefühl, als wenn kein Ende in Sicht kommen würde.

Doc DG

durchgeknallt aber glücklich

  • »Doc DG« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 917

Registrierungsdatum: 18. Oktober 2006

Wohnort: mitten inner pampa von sa

Beruf: erzieher und freizeitdoc

  • Nachricht senden

179

Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:29

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Lia hatte sich eng an Sam gekuschelt. Sie spürte seinen warmen Körper durch seine Kleidung hindurch. Sie war immer noch verwirrt, wollte es sich aber nicht anmerken lassen. Was war mit Sam? Warum auf einmal so? Er suchte wieder ihre Nähe, jedoch war er nicht weiter auf Lias Schwangerschaft eingegangen. Brauchte er noch Zeit? Wahrscheinlich war es so. Lia wollte ihn nicht bedrängen und vermied daher das Thema. Zurzeit war es noch möglich. Da noch nicht erkennbar war, dass Lia sich tatsächlich in anderen Umständen befand.

Der Tag neigte sich dem Ende, und Lia merkte, dass Sam wieder mehr Ruhe brauchte. Daher überlegte sie nicht lange und sorgte dafür, dass alle ins Bett kamen. Erleichtert stellte sie fest, dass Sam nicht wieder in das Zimmer seiner Tochter zurückging, sondern ins Schlafzimmer kam. Lia bekam mal wieder eine ihrer Wühlattacken, ehe sie zur Ruhe kam und zwischen beiden Männern einschlief.

********************
eben hat es in meinem Kopf noch Sinn gemacht!

Doc_Wuffi

Therapie-Leiter

Beiträge: 806

Registrierungsdatum: 18. Oktober 2006

Wohnort: Mitten in der Pampas von NRW

Beruf: ITA und Mediendesign

  • Nachricht senden

180

Donnerstag, 18. Oktober 2007, 14:30

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Sam schlief nicht sehr lange, da neben ihm Lia anfing mal wieder zu wühlen und schließlich wach wurde. Sie sah ihm direkt in seine Augen und wunderte sich. Das konnte Sam, trotz der Dunkelheit gut erkennen. "Du schläfst ja gar nicht", stellte sie leise murmelnd fest. Er grinste flüchtig. "Wie auch, wenn du hier so rum wühlst, wie ein Weltmeister." Verschämt schmollte sie ihn an, rückte näher an seine Seite ran und legte einen Arm auf seinen Bauch. Sam genoss die Nähe von Lia und schloss kurzzeitig seine Augen. Er wusste, dass er sie immer noch im Ungewissen gelassen hatte und seufzte daher leise, ehe er seine Augen wieder aufschlug und Lia fixierte.

Er zog sie näher an sich ran und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. "Lia?" begann er leise und zog damit wieder die Aufmerksamkeit auf sich. "Lia? Bitte gib mir noch etwas Zeit, mit der ganzen Situation richtig fertig zu werden", sprach er leise weiter. Er konnte immer noch recht begreifen, dass das neue Leben in Lia von ihm sein sollte. Er war sich immer noch nicht sicher, ob er das alles so wollte. Doch er wusste, dass davonrennen, keine Lösung war.

Er bemerkte, wie Lia ihn zusehends verwirrter ansah. "Lia, ich habe Angst, ja." Das Durcheinander in Lia, konnte Sam unschwer in ihren Augen erkennen. "Wovor?" fragte sie schließlich. "Das du gehst", kam die ehrliche Antwort von Sam. Es fiel ihm schwer darüber zu reden, aber wenn er jetzt nicht darüber sprechen würde, dann womöglich gar nicht mehr. Ihm schwirrte immer noch das Gespräch zwischen Lia und ihrem Mann im Kopf rum, was er unweigerlich mitbekommen hatte. Er spürte, wie sie sich ein Stückchen aufrappelte, um ihn besser ansehen zu können.

"Sam? Ich...hmpf! Nein, ich werde nicht gehen. Das was ich gesagt habe, war unüberlegt. Ich...ich...du würdest mir zu sehr fehlen." "Warum sagst du dann so was?" wollte Sam nun wissen. Er merkte, dass es ihr unangenehm war, aber er wollte es von ihr wissen. "Weil...weil...ich...weil ich nicht wusste, was ich tun soll", gab sie leise zu. Sam dachte sich so was in der Art schon, war er doch nicht unschuldig an der ganzen Sache. Er wusste nichts zu sagen, zog Lia aber ein Stück zu sich ran und drückte sie an sich. Er hoffte, dass Lia tatsächlich nicht gehen würde. Aber es würde nicht nur Lia sein, die ihm dann fehlen würde, Richards Nähe würde er auch nicht mehr missen wollen. Er musste es den Beiden nur irgendwie zeigen.

Als Richard am nächsten Morgen aufwachte, fand er sich alleine im Bett wieder. "Das wird wohl langsam zur Gewohnheit, hm?" murmelte er leise. Verschlafen setzte er sich auf und horchte in die Stille des Hauses hinein. Entweder waren Sam und Lia nicht im Haus oder sie mussten sich ungewöhnlich ruhig verhalten. Richard ließ sich wieder zurück in die Kissen sinken und versuchte, ein wenig wach zu werden. Ein Seufzen entglitt ihm, als ihm seine Gedanken vom Vorabend wieder in den Sinn kamen. Es hatte keinen Sinn, noch länger darüber nachzudenken. Es gab einfach zu viele Fragen, die unbeantwortet blieben.

Richard raffte sich auf. Es würde Zeit, mal wieder etwas für die Fitness zu tun. Ins Schwimmbad oder im See schwimmen gehen, schied aus. Es sei denn, er wollte alleine los ziehen. Ein Blick aus dem Fenster ließ ihn den Gedanken jedoch verwerfen. Er musste Sam fragen, ob er dessen Fitnessraum benutzen durfte. Zerzauselt und noch nicht ganz wach machte sich Richard auf den Weg ins Wohnzimmer, das allerdings leer war. Plötzlich fiel ihm die offen stehende Tür zum Keller auf. Nein, das durfte doch wohl nicht wahr sein! Sam konnte unmöglich schon wieder am Trainieren sein.

Schnellen Schrittes war Richard die Treppe herunter gegangen, um dann in einen leeren Fitnessraum zu schauen. Das Fragezeichen über seinem Kopf wäre für einen Anwesenden klar ersichtlich gewesen. Verwirrt drehte er sich um und bemerkte erst jetzt, dass die Tür zu Sams Büro nicht ganz geschlossen war. Durch den schmalen Spalt schien ein Teil des wenigen Lichtes aus dem Raum. Vorsichtig klopfte Richard an die schwere Holztür und schob sie etwas weiter auf. Überrascht sah ihm Lia entgegen, die es sich in dem Bürostuhl gemütlich gemacht hatte, während Sam im Raum auf und ab tigerte. "Was ist denn los?" fragte Richard erstaunt.

Sam stoppte und sah ihn an. "Ich soll sobald ich wieder einigermaßen fit bin meinen Job wieder aufnehmen", sagte er leise. Richard schüttelte unverständlich den Kopf. "Ja und?" Sam senkte seufzend den Blick. Ihm war klar gewesen, dass sein Job für Außenstehende nicht so leicht zu verstehen war. Zumindest stand nicht sofort ein Einsatz an, aber er musste zumindest zum Training bei der NSA erscheinen.

Lia machte mal wieder keinen glücklichen Eindruck und Richard tat es weh, sie so zu sehen. Da er keine Antwort bekam, ließ er das Thema um Sams Job auch gleich wieder fallen. "Ich wollte dich eigentlich fragen, ob ich..." Weiter kam Richard gar nicht, denn Sam hatte die Frage voraus geahnt und antwortete lächelnd: "Natürlich darfst du den Raum benutzen. Frag nicht immer danach." Nach diesen Worten machte Richard eine Kehrtwendung, um sich für sein Training umzuziehen.

Sam und Lia hatten sich ins Schlafzimmer begeben, weil Sam offenbar mit ihr sprechen wollte. Zusammengekuschelt lagen sie auf dem Bett. Sam hielt Lia von hinten umschlungen dicht an seinem Körper. Sanft liebkoste er mit seinen Händen ihren Bauch. Langsam wurde er sich klar darüber, was vor sich ging. Lag Lia richtig mit ihrer Vermutung, so würde er Vater werden. Warum sollte er ihre Vermutung anzweifeln, wenn sie es fühlte? Er hatte jetzt lange genug Zeit gehabt, nachzudenken. Ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen, als er Lia zu sich umdrehte. "Hast du schon über einen Namen nachgedacht für den Krümel?" Lias Überraschung war eindeutig aus ihren Gesichtszügen abzulesen. "Ne-nein", stotterte sie, was diesen Eindruck unterstrich.

Sams Grinsen wurde breiter, hatte er Lia nun doch mit nur einer Frage vollkommen durcheinander gebracht. Er konnte all ihre Fragen förmlich aus ihrem Gesicht lesen. Am Deutlichsten zu sehen war aber, dass sie das "Warum" am Ehesten beschäftigte. "Lia, ich bin mir darüber klar geworden, dass ich bei Sarah viele Fehler begangen habe und wenn ich nicht versuche, es wenigstens einmal besser zu machen, werde ich nie wissen, ob ich dazu in der Lage bin." Sein Blick blieb forschend an ihren Augen hängen. Würde sie verstehen, was er meinte? Sam hoffte es und er hoffte auch, dass nun alle Zweifel beseitigt sein würden. Um das Ganze aber noch ein wenig deutlicher zu machen, fügte er an: "Lia, ich liebe dich. Und ich liebe auch das, was in dir heranwächst. Egal, wer nun letztlich der Vater sein wird. Ich freue mich darüber, auch wenn ich es nicht so zeige, wie manch anderer."
In jenem Moment hörte man ein Scheppern aus dem Keller und anschließend ein lautes Fluchen. Keiner der beiden auf dem Bett Liegenden reagierte jedoch darauf. "Saaam!?" hörte man Richard rufen, während er die Stufen hinauf stapfte. In der Schlafzimmertür blieb er stehen, ließ sich von dem Bild, das sich seinen Augen bot aber nicht ablenken.

Unbeeindruckt fragte er verärgert: "Sag mal, wie viel Kilo hast du auf der Stange drauf??" Sam sah Lias Mann irritiert an. "Kilo??" "Ja, Kilo! Oder sind das schon Tonnen?" Sam musste Lachen. Richards grimmige Miene war einfach zu komisch. "Wir rechnen doch nicht mit Kilo und so nem Zeug", stellte Sam dann ernst fest und fuhr fort: "Du musst gucken, was auf den Ringen drauf steht und die Summe daraus mal Null Komma Vier Fünf nehmen. Ich hab keine Ahnung, was ich da zuletzt drauf hatte."

Zurzeit sind neben Ihnen 3 Benutzer in diesem Thema unterwegs:

3 Besucher

Social Bookmarks