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Doc_Wuffi

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 13:36

Re: Neuanfang mit Hindernissen

"Und was machen wir jetzt?" fragte Richard etwas ratlos. Sam zuckte erst mit den Schultern, doch dann sagte er: "Wie wäre es mit ein wenig Training?" Richard überlegte kurz, stimmte dann aber schließlich zu. "Gewichte?" wollte er grinsend wissen. "Hört sich gut an", stimmte Sam der Sache zu. Sie zogen sich um und enterten Sams verwaiste Wohnung. Er hatte beim Einzug ein Zimmer für sein Training eingerichtet, war aber seitdem kaum dazu gekommen, sich an den Geräten auszulassen.

Nach einer guten Stunde beendeten die beiden Männer das Training und gingen wieder in Richards Wohnung. "Ich geh eben Duschen", stellte Richard fest und machte sich auf Richtung Bad. Er war keine zwei Schritte weit gekommen, da packte ihn Sam am Arm. Sie brauchten keine Worte, um sich zu verstehen. Richard drehte sich um und gab Sam einen Kuss. Dabei schob er ihn zum Sofa, auf dem sie sich niederließen. Das Verlangen der Beiden nacheinander war in den letzten Wochen immer mehr gewachsen und nun war es an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren.

Sam erwiderte Richards Kuss und ließ sich von ihm auf das Sofa befördern. Er zog Richard zu sich auf die Couch und fuhr mit seinen Händen unter dessen Shirt. Sie waren beide verschwitzt, keine Frage, aber es stellte kein Hindernis dar. Sam war sich in diesem Moment so sicher wie selten in seinem Leben. Er wollte es ausprobieren, eine neue Erfahrung austesten. Langsam entledigte er Richard seines Shirts und begann, seinen Körper zu küssen. Dieser zitterte leicht, war es für ihn doch ebenfalls völlig neu.

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 13:36

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Beide fingen an, gegenseitig den Körper des anderen zu erforschen. Zu erst zögerlich, bald jedoch mit immer größer werdenden Verlangen nach dem anderen. Richards Hände begannen unter das schwarze T-Shirt von Sam zu wandern. Erst vorsichtig und unsicher. Schließlich schwand Richards Unsicherheit und er streifte Sam sein Shirt ab. Er fing an Sams Brust, mit heißen Küssen zu erkunden. Seine Hände wanderten stetig über dessen Bauch und streichelten ihn sanft.

Richard bahnte sich küssend einen Weg in Richtung Bauchnabel, seine Lippen umspielten einige der Narben auf Sams Körper, was ihm ein leichtes Stöhnen entlockte. Richard grinste flüchtig, hielt noch einige Augenblicke an Sams Narben inne und liebkoste diese zärtlich, ehe er sich an dem Bund von Sams Trainingshose zu schaffen machte und diese langsam abstreifte. Nun war es Sam, der ins Geschehen eingreifen musste. Innerhalb weniger Sekunden, hatte er Richard auf die Couch befördert, wo eben noch er selbst lag und begann nun seinerseits Richard zärtlich zu berühren und ihn sanft zu küssen. Ein halblautes Stöhnen kam über Richards Lippen, welches Sam noch mehr anspornte, den unter ihm liegenden zu liebkosen.

Lia sperrte die Wohnungstür auf und hievte einige Einkauftaschen in den Wohnungsflur, bevor sie die Tür wieder von innen verschloss. Sam horchte auf und hielt kurz inne bevor er sich wieder Richard widmete. Lia war gerade dabei, sich ihrer Jacke zu entledigen, als ihr, für sie eher, unbekannte Geräusche ins Ohr drangen. "Oha." entfleuchte ihr leise und begab sich dann auf leisen Sohlen in Richtung der Geräuschkulisse. Fündig wurde sie im Wohnzimmer, wo sie in der Tür stehen blieb. Was sie zu sehen bekam, trieb ihr für einige weniger Sekunden die Röte ins Gesicht, bevor sie, fasziniert von dem ihr dargebotenen, sich dazu entschloss, diesem Liebesspiel zu zusehen.

Lia lehnte sich in den Türrahmen, zu sehr gebannt davon, was sie beobachtete und nicht weiter fähig sich von dort weg zu rühren. Beide Männer küssten sich zärtlich und verlangend, was nach einiger Zeit umschlug in wilde und leidenschaftliche Küsse. Sie sah, wie Sams Hand begann abwärts zu wandern, in Richtung Richards Hose. Ihr stockte für wenige Sekunde der Atmen, wusste sie doch nicht, wie ihr Mann darauf reagieren würde. Dessen Reaktion verblüffte sie zutiefst. Sie sah, wie sich dieser leicht aufbäumte, unter der Berührung von Sam und er ihm schließlich seine Hose abstreifte. Sam und Richard schienen nun völlig versunken zu sein in ihrem Handeln und Tun. Es war, als wenn beide miteinander sprechen würden, ohne jedoch die Sprache als solches zu benutzen, es war nur rein ihre Körpersprache, die auf die jeweilige Aktion des Einen, eine Reaktion des Anderen folgen ließ. Lia spürte, wir ihr eigener Körper, auf das was sie vor sich sah, begann zu reagieren. Der Raum war erfüllt von Leidenschaft, Verlangen, einer bis dato unerfüllten Sehnsucht und knisternden Erotik.

Lia ließ sich im Türrahmen langsam herunter rutschen. Nicht mehr fähig aus eigener Kraft, sich auf den Beinen halten zu können. Zu überwältigend waren die Bilder, die ihren Körper in Erregung versetzten. Sie konnte ihren Blick nicht von den beiden Männern nehmen. Immer noch zu fasziniert von dem, was sich ihr dort bot. Richard begann leise auf zu stöhnen, als Sam sich vorsichtig weiter an die erogenen Zonen heran wagte und ihn dort behutsam berührte. Lia konnte das leidenschaftliche Verlangen der Beiden förmlich greifen. Richard und Sam ließen nicht voneinander ab. Schienen im Rausch ihrer Gefühle gefangen zu sein und trieben sich gegenseitig immer weiter, an den Rand, dessen, was ein Körper noch aushalten konnte unter solchen Berührungen und Liebkosungen. Lia konnte sehen, wie sich die Gefühle der beiden, von Sekunde zu Sekunde immer mehr zu überschlagen drohten. Beide wollte mehr. Die Anspannung konnten sie bis in alle Zellen ihres Körpers spüren. Sie wollten erlöst werden. Erlöst von einem quälenden Verlangen, das sich bis in ihr Innerstes eingebrannt hatte. Ihre Ekstase ging dem Höhepunkt entgegen. Lia beobachtete nun etwas scheu, wie sich die beiden Männer gegenseitig noch weiter aufheizten, eh sie beide fast zeitgleich zu der gewünschten Erlösung kamen und schwer atmend auf der Couch zusammen sackten.

Richard hatte sich nach einiger Zeit beruhigt. Sein Körper hörte auf zu zittern und sein Atem ging auch wieder langsamer. Er blickte sich um. Überrascht entdeckte er Lia, die immer noch gebannt und zu gleich fasziniert am Boden im Türrahmen saß. "Komm her", gab er in einem fast nicht wahrnehmbaren Ton von sich und deutete dies noch zusätzlich mit einer Kopfbewegung an. Er wollte sie bei sich spüren. Es fiel Lia wahnsinnig schwer, wieder auf ihre Beine zukommen. Zu sehr war ihr eigener Körper noch von der Vorstellung, der beiden Männer erregt. Sie hatte das Gefühlt, dass sie Stunden brauchte um auf die Beine zukommen um an die Couch zu gelangen, wo Richard als auch Sam, immer noch erschöpft lagen.

Sie zögerte erst einen Moment, ob sie tatsächlich hingehen sollte. Wollte sie doch nicht die Zweisamkeit der Beiden unterbrechen. Auch Sam war wieder einigermaßen zur Ruhe gekommen und folgte nun dem Blick von Richard zu Lia. Immer noch unschlüssig stand sie an der Couch. Es war Sam, der sie vorsichtig mit zu sich und Richard auf die Couch zog. "Alles klar?" Fragte er besorgt flüsternd. Lia nickte zur Antwort. Nicht fähig, das gerade Erlebte und Gesehene in Worte zu fassen.

Etwas unsicher sah Lia zwischen den beiden Männer umher, immer noch nicht im Stande, ihre Sprache zu gebrauchen. Richard zog sie zu sich und schloss sie in seine Arme. Auch er wollte sich vergewissern, ob bei Lia alles in Ordnung sei. Wieder konnte Lia nur nicken. Das augenblickliche Gedankenchaos, was eben noch in ihr vorherrscht, verschwand und macht Platz für ein Gefühl des Glücks. Zumindest glaubte Lia, dass es Glück war, anders würde sie dieses Gefühl nicht beschreiben oder gar in Worte fassen können. Sie kuschelte immer noch mit ihrem Mann und war auch gerade nicht dazu bereit, diesen Platz aufzugeben. Doch irgendetwas fehlte. Sie schaute sich um und blickte direkt in die grünen Augen von Sam. Nicht irgendetwas fehlte. Jemand fehlte. Dieser Jemand war Sam. Er brachte Lia auch dazu, doch für einen kurzen Moment ihren Kuschelplatz aufzugeben. Sie löste sich sanft aus der Umarmung von Richard, überwand die kurze Distanz zwischen sich und Sam und zog ihn zu sich und Richard, der in der 90-Grad-Biegung saß, hinzu.

Lia forderte wieder die Umarmung von ihrem Mann ein, was dieser auch ohne weiteres tat und sie wieder in den Arm nahm. Sam zog sie noch ein Stück zu sich, so dass er seinen Kopf bei Lia in ihren Schoß betten konnte. Lia konnte von beiden Männern, den immer noch kräftigen Herzschlag fühlen. Offensichtlich hatten sich die beiden Männer immer noch nicht wieder erholt, von ihren gerade gemachten neuen Erfahrungen. Gedankenverloren begann Lia, mit ihrer linken Hand, Sam durch sein Haar zu streichen. Mit der Rechten streichelte sie sanft den Oberarm ihres Mannes und lehnte ihre Kopf an dessen Brust.

Obwohl es erst gegen Nachmittag gewesen war, waren alle drei auf der Couch eingeschlafen. Erst durch ein Klingeln, gefolgt von einem hektischen Klopfen wurden sie aus dem Schlaf geholt. Lia brauchte einen kurzen Augenblick um zu realisieren, dass sie eingeschlafen war. Sie blickte die Männer an und musste feststellen, dass sie die einzige war, die fähig war die Tür zu öffnen, da sie noch komplett bekleidet war. Sie rappelte sich widerwillig auf und hievte sich von der Couch. Beim nach draußen gehen, warf sie den beiden Männer, die Klamotten zu, die malerisch auf dem Boden verteilt lagen.

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 13:37

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Lia sparte sich den Blick durch den Spion, sie wusste das es nur Emu sein konnte. "Mach doch hier nicht so´n Stress, okay?" Maulte sie ein wenig rum, da sie selber noch nicht wieder richtig wach war. Sie hatte die Tür geöffnet und sah in ein etwas verdattertes Gesicht. "Oh! Tschuldigung...ich dachte sie wären Emu", nuschelte sie und bat den Besucher rein. "Sam?" Rief sie durch den Flur. "Welch seltenes Wunder, is für dich", damit entschwand sie wieder ins Wohnzimmer, wo ihr Sam gerade entgegen kam. "Lambert", sagte sie ungefragt und huschte wieder auf die Couch zu ihrem Mann, der sich gerade sein letztes Kleidungsstück wieder übergezogen hatte. "Lambert?" kam nun fragend von Richard. "Öhm? Wie war das? Is Sams Cheffe und sein Freund...ich glaub, irgendwie so was hatte Sam gesagt."

Sam trat auf den Flur und begrüßte kurz Lambert. "Ich hatte gehofft, dass ich dich wenigstens hier finden würde, wenn schon nicht in deiner eigenen Wohnung." Sam schwieg. "Hm? Auch gut. Wir reisen morgen früh ab. Um sechs Uhr am Flughafen Schönefeld." Damit wandte sich Lambert um und verließ wieder die Wohnung. "Gut, dann sehen wir uns morgen." Überrascht drehte sich Lambert noch ein Mal um und sah Sam an, hatte er doch mit keiner Antwort mehr gerechnet. "Pünktlich und keine Ausreden", grinste dieser Sam an und verschwand nun endgültig.

Lia platze fast Neugier und so stand sie an der Tür zum Wohnungsflur und musste lauschen. "Hmpf." entglitt es ihr, womit sie nun die Aufmerksamkeit von Sam auf sich zog. "Morgen schon?" Fragte sie traurig. Sam blieb vor ihr stehen, berührte sie sachte mit der rechten Hand im Gesicht und flüsterte: "Glaub mir, es ist besser so. Besser, dass ich morgen schon zurück fliege", damit gab er ihr noch einen zärtlichen Kuss und ging wieder in Richtung Wohnungstür. "Kommst du nachher wieder rüber?" Wollte Lia wissen. "Es ist die letzte Nacht gemeinsam", stellte sie betrübt fest. Sam dreht sich nicht um, nickte nur und ging in seine Wohnung.

Lia ließ sich lustlos wieder auf Couch fallen, wo Richard sich inzwischen aufgesetzt hatte und sah ihn schweigend an. Ihr Mann konnte mit der schweigsamen Art ihrerseits nichts anfangen und sah sie fragend an. Sie seufzte bevor sie zu einer Antwort ansetzte: "Sam geht. Morgen früh." Bekam sie teilnahmslos heraus. Richard nahm Lia wieder in seine Arme. "Das wussten wir doch. Wir fliegen doch auch in zwei Tagen nach Südamerika", versuchte er Lia wieder ein wenig zu motivieren, war jedoch machtlos gegen die Traurigkeit, die ihm aus Lias Augen entgegen schlug. "Ich weiß", sie verstummte kurzzeitig, eh sie weiter sprach, "aber.....aber...", sie musste erst wieder ihre Gedanken sortieren, bevor sie einen vollständigen Satz von sich geben konnte. "Ich werd ihn vermissen. So wie ich dich jedes Mal vermisse, wenn du in New York bist." Gestand Lia leise und vergrub ihr Gesicht bei Richard an der Brust.

"Ich weiß gar nicht, wie lange Sam weg sein wird", schniefte sie leise. Richard sah sie etwas verwundert an. "Nicht?" "Nein, dass ist es ja." Schluchzte Lia. "Lia? Wir sind doch auch erstmal mindestens drei Monate unterwegs. So lange wird Sam bestimmt nicht weg sein." Lia schwieg sich dazu aus, wusste Richard doch nicht, dass Sam sich in den Staaten in psychiatrische Behandlung begeben wird. Sie war sich gar nicht so sicher, dass solche eine Behandlung nicht durchaus doch länger dauern konnte. Sie merkte, wie ihr der Gedanke, dass sie Sam für längere Zeit nicht sehen würde, zu schaffen machte. Auch Richard entging nicht, dass Lia offenbar große Schwierigkeiten hatte, Sam gehen zu lassen. "Süße? Er hat doch gesagt, dass er wiederkommt, oder?" Lia nickte zögerlich. "Aha, du kennst das doch von mir. Wie oft konnte ich dir mit Bestimmtheit sagen, wann ich wieder zurück sein würde aus New York? Das war bisher nicht sehr oft gewesen, oder?"

Lia blickte Richard eine zeitlang an, ohne geantwortet zu haben. Schließlich löste sich Lia aus der Umarmung. Sie war durcheinander. Warum musste Sam zwei Tage früher abfliegen? Hätten sie nicht gemeinsam das Land verlassen können? Sie verstand es nicht, auch wenn Sam ihr gesagt hatte, dass es so besser wäre. Sie hatte bewusst verdrängt, dass Sam gehen würde, obwohl sie genau wusste, dass er Richard und sie nicht auf der Tour begleiten würde. Hatte sie vielleicht geglaubt, dass es anders kommen würde? Nein, in ihrem tiefsten Inneren wusste sie, dass es so am besten war für Sam. Er brauchte Hilfe. Hilfe, die sie ihm nicht geben konnte. Wie auch? Wie hilft man einem Menschen, der wahrscheinlich das wichtigste in seinem Leben verloren hatte? Sie wusste keine Antwort darauf. Hätte Richard ihm vielleicht helfen können? Er hat schließlich auch eine Tochter, oder wäre es dadurch noch schlimmer geworden? Lia wollte sich lieber keine Antwort darauf ausmalen.

Lia war so in ihren Gedanken versunken, dass sie noch nicht mal das Ansprechen von Richard wahrnahm. Dieser hatte nach einigen Malen, Nachfragen, aufgegeben und hatte sie alleine gelassen im Wohnzimmer. Er selber suchte Ablenkung im Arbeitszimmer. Einige Zeit später schreckte Lia auf. Es war Stockdunkel im Wohnzimmer geworden, da nirgends Licht angemacht wurde. Sie sah sich um und erkannte im Flur, dass aus dem Arbeitszimmer Licht kam. Obwohl sie die Lichtquelle aus dem Flur hätte nutzen können, machte sie sich trotzdem erst einmal Licht im Wohnzimmer. Lia lehnte sich über die Rückenlehne der Couch, um den Deckenfluter, der dahinter stand, ein wenig anzudämmen. Sie hatte es nicht so mit der Dunkelheit, auch wenn sie nicht alleine war in der Wohnung. Sie brauchte einige Sekunden, um sich an das Licht zu gewöhnen, da sie offensichtlich, die restliche Zeit im Wohnzimmer, mit offenen Augen geträumt hatte, beziehungsweise in Gedanken versunken war.

Sie ging rüber ins Arbeitszimmer. "War Sam schon hier?" fragte sie leise. "Nein, wollte er wieder rüber kommen?" Richard drehte sich mit seinem Chefsessel um und sah sie fragend an. Lia nickte nur. "Hm? Vielleicht solltest du mal rüber gehen. Wahrscheinlich kriegt Sam seine Koffer nicht zu", mutmaßte Richard grinsend. Lia lächelte flüchtig, sagte dazu aber nichts und verließ wortlos die Wohnung. Richard seufzte, er hoffte, dass Lia sich wieder fangen würde und durch die Tour vielleicht sogar ein wenig Ablenkung bekommen würde.

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 13:42

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Das laute Knallen der Tür ließ Richard zusammenzucken. Lia würde Sam vermissen, keine Frage. Aber wie sah er selbst die Sache? In den letzten Wochen war die eigenwillige Beziehung immer mehr zusammen gewachsen. Richard musste sich eingestehen, dass ihm Sam ebenso fehlen würde in der nächsten Zeit. Obwohl er ein sehr stiller Zeitgenosse war, kam Richard gut mit ihm aus. Sogar besser als er vorher jemals gedacht hatte.

Richard wandte sich wieder seinem Mac zu und betrachtete das Bild, das sich ihm bot: viele gezackte Linien, die eingespielte Signale seiner Gitarre darstellten. Er hatte die Gitarrenspur jetzt acht Mal dupliziert, um die von Rammstein bekannte "Gitarren-Wand" zu bekommen. Aber etwas störte ihn daran noch. Mit der Maus klickte er zielsicher in den Parametern einer Spur herum, um sich dann über Kopfhörer das Ergebnis anzuhören. Noch immer war er nicht zufrieden und so veränderte er weitere Spuren, bis ihn das Ergebnis überzeugte. Lächelnd lehnte er sich zurück und lauschte der Endlosschleife.

Sam schreckte auf, als es an seiner Tür klingelte. Er hatte seine paar Sachen in eine Sporttasche geworfen und saß nun daneben auf dem Bett. In Gedanken versunken hatte er einfach nur da gesessen. Worüber hatte er nachgedacht? Seufzend machte er sich auf zur Tür und öffnete diese. "Lia?" "Ich wusste nicht, dass du drei Stunden zum Packen brauchst", stellte sie fest und stürmte an ihm vorbei in die Wohnung. Grinsend sah Sam ihr hinterher, war es doch eine Eigenart von Lia, einfach ungefragt seine Wohnung in Beschlag zu nehmen. Kopfschüttelnd schloss er die Tür wieder und folgte ihr in die Tiefen seiner dunklen Wohnung. "Dass du aber auch nie Licht anmachst", regte sich Lia leicht auf und wieder musste Sam grinsen.

Lias Weg führte quer durch die Wohnung und endete schließlich in Sams Schlafzimmer. "Waaaaaas??!!" entfuhr es ihr, "für das Bisschen brauchst du so lange??" Dabei zeigte sie auf die Tasche. Sam schmunzelte. Tatsächlich hatte er noch nie so lange gebraucht, um seine Tasche zu packen. Sam fing an, nachzudenken. Er hatte Maryland so gut wie nie verlassen, außer zu seinen Einsätzen. Deswegen war der Schritt nach Berlin für ihn auch so ungewöhnlich gewesen. Auf der einen Seite freute er sich, wieder nach Hause zu kommen. Auf der anderen Seite aber wollte er nicht so lange ohne Lia sein.

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 13:42

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Lia sah sich im Schlafzimmer um und steuerte den Kleiderschrank an. Sie öffnete die Türen und angelte etwas unbeholfen, die restlichen Klamotten raus, um sie anschließend auf das Bett zu werfen. Triumphierend grinste sie Sam an. Dann überlegte sie. "Willst du alle deine Sachen mitnehmen?" Fragte sie etwas unsicher, in der Hoffnung, dass Sam diese Frage verneinen würde. Immer noch mit einem unsicheren Blick, schaute sie zu Sam. "Nein", kam mal wieder kurz angebunden. Innerlicher atmete Lia auf, zumindest konnte sie so hoffen, dass Sam auch tatsächlich wieder kommen würde.

Sam berührte Lia an der Schulter und holte sie so wieder zurück in die Wirklichkeit. "He? Es wird nicht für immer sein", sprach er leise, als ob er hätte Lias Gedanken lesen können, "ich komm wieder hierher zurück. Nur wann, dass kann ich dir nicht sagen." Sie nickte stumm und sah sich etwas verstreut im Zimmer um. "Sonderliche viele Klamotten hast du aber auch gar nicht hier, hm?" "Nein, der Rest ist immer noch in den Staaten, in Maryland." Kam von Sam, in einer für ihn, doch recht ungewöhnlichen langen Antwort.
Wieder ein unsicherer Blick von Lia, der durchs Zimmer ging und anschließend an Sam haften blieb. "Oder wolltest du jetzt alleine bleiben?" Es hatte für Lia den Anschein, da Sam für die paar Sachen, sich viel Zeit gelassen hatte, um sie zusammen zu packen. Mal wieder dauerte es einige wenige Augenblicke, bis sie von Sam eine kaum hörbarer Antwort bekam. "Nein." "Aha, kommst du dann mit rüber?" Sah sie ihn frech fragend an.
Keine Antwort.
Lia hatte sich inzwischen daran gewöhnt, dass Sam nicht immer auf alle Fragen antwortete. Sie beließ es dabei, griff nach Sams Shirt und zog ihn so hinterher sich her, erst aus dem Schlafzimmer, dann in den Flur und anschließend aus seiner eigenen Wohnungstür.

Sie schloss die ihrige auf, ohne dabei das Shirt von Sam los zu lassen und zog ihn weiter hinterher sich her in die Wohnung, in der es wesentlich heller war. Lia horchte in die Stille der Wohnung und fing an fies zu Grinsen. Sam konnte dem nichts abgewinnen und verfolgte sie nun mit seinen Blicken. Wobei er sich ein Lächeln nicht verkneifen konnte. Lia schlich gespielt durch den Wohnungsflur und blieb vor dem Arbeitszimmer stehen. Sie spähte kurz um die Ecke, um ihre Vermutung zu bestätigen. Ihr Grinsen wurde immer fieser. Sie blickte sich noch einmal zu Sam um, und musste feststellen, dass dieser sich genau hinter ihr befand. In allerletzter Sekunde konnte Lia ihren Schrecksschrei runterschlucken, funkelte Sam kurz böse an und widmete sich dann wieder ihrer eigentlichen Mission. Noch einmal spähte sie um die Ecke ins Arbeitszimmer, um sicher zu gehen, dass Richard sich nicht bewegt hatte. Jetzt oder nie, dachte sie Lia. Schnell, ohne jedoch großartig Krach zu machen enterte sie das Arbeitszimmer, näherte sich Richard von hinten und berührte ihn ohne jegliche Vorwarnung an beiden Schultern. "Buuuhhh!"

Richard reagierte, wie von Lia erwartet. Er zuckte heftig zusammen, riss sich die Kopfhörer von den Ohren und drehte sich samt Stuhl um. "Bist du von allen guten Geistern verlassen? Dich haben sie doch gebissen, oder was? Aber ansonsten is noch alles in Ordnung bei dir, ja?" Wettert Richard los. Lia konnte nicht anders und musste los lachen. Der Gesichtsausdruck ihres Mannes, war einfach zu göttlich gewesen. Auch Sam kam um ein kurzes Lachen nicht umher. "Tut mir leid, es war einfach zu verlockend." Um ihre entschuldigenden Worten noch Nachdruck zu verleihen, gab sie ihrem Mann einen zärtlichen Kuss. "Hmpf, ich wäre dir irgendwie sehr verbunden, wenn du das lassen könntest", knurrte ihr Richard entgegen, "der jüngste bin ich auch nicht mehr", beendete er etwas leiser, als zuvor den Satz. Lia strahlte ihn aus allen Knopflöchern an. "Ach? Wie? Tatsächlich?" kam nun etwas gehässig aus Lias Richtung, die schon für eine Flucht bereit stand, wusste sie doch, dass Richard es so gar nicht abkonnte, wenn sie auf sein Alter anspielte.

Sam verfolgte das Ganze mal wieder Kommentarlos, überlegte jedoch, ob er mit Richard in den vergangen Wochen über sein Alter oder über das eigene gesprochen hatte. Nein, stellte er für sich selber fest. Bevor Sam weiter in Gedanken versinken konnte, wurde er von Lia unterbrochen, die quiekend an ihm vorbei huschte und ihr Heil irgendwo in der Wohnung suchte, gefolgt von Richard, der die Anspielung nicht auf sich sitzen lassen wollte.

Sam folgte den Beiden in die Wohnung rein und fand sie mal wieder kabbelnd im Wohnzimmer vor. "Saaaaaam", wimmerte Lia ihm entgegen, als sie Sam entdeckte. "Nix da, Sam." Hörte sie Richard raunen, ehe dieser ihr einen langen Kuss gab. Lia nutzte diese Unachtsamkeit und ging stiften. "Sam", quakte sie und verschwand hinter ihm. "Ich? Du hast doch angefangen." Stellte Sam in einem ruhigen Ton fest. "Hmpf!" Das war nicht die Hilfe, die sich Lia gerade erhofft hatte. Sie spielten noch eine Moment Einkriegezeck um Sam herum, bevor Lia das Weite suchte und im Schlafzimmer landete. Völlig außer Atem ließ sie sich aufs Bett plumpsen und verschwand anschließend mit einem Quieken unter den diversen Decken, als sie Richard zur Tür rein kommen sah.

Dieser stand noch einen Moment im Türrahmen und verfolgte aufmerksam die Wühlerei von Lia. Sam wollte es sich nicht entgehen lassen und stand so nun hinter Richard. "Nicht sehr klug", hörte Richard Sam hinter sich sagen, der irgendwie einen fiesen Gesichtsausdruck an den Tag legte dabei. "Nein, nicht so wirklich", erwiderte Richard. "Brauchst du vielleicht ein bisschen Hilfe?" Erstaunt sah Richard Sam an, hatte er sich doch sonst bisher immer raus gehalten, wenn Lia und er ihre Macke bekamen und sich durch die Wohnung jagten. "Gerne." Damit war Lias Schicksal besiegelt. Da sie unter den Decken umher wühlte, hatte sie nicht mitbekommen, dass Sam sich der ganzen Sachen nun auch noch anschloss und war daher umso erschrockener, als sie mitten mal von links als auch von rechts belagert wurde.

Sie quiekte erneut auf, was jedoch sofort im Keim erstickt wurde und kurze Zeit später in einen Lachkrampf nach dem anderen ausartete.

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 13:43

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Es waren Stunden vergangen und Sam lag noch immer wach. Mit hinter dem Kopf verschränkten Armen ging sein Blick in Richtung der Zimmerdecke, die in einer einzigen schwarzen Dunkelheit kaum zu erkennen war. Doch selbst jetzt konnte Sam die Ornamente an der Decke erkennen. Sollte er Lia und Richard wecken, wenn er gehen musste? Es würde früh am Morgen sein. Sam drehte den Kopf in Lias Richtung und betrachtete ihre ruhige Gestalt unter der Decke. Nein, er konnte nicht einfach so verschwinden.

Ein Klingeln riss ihn aus seinen Gedanken. Sofort wusste er, dass es nur sein Handy sein konnte. Mit katzenartiger Eleganz hatte er sich schnell aus dem Bett erhoben und ging mit dem leise klingelnden Gerät ins Wohnzimmer. "Lambert?" "Sam?? Was ist los? Wo bleibst du?" Verwirrt suchten Sams Augen die schwach erleuchteten Zeiger einer Uhr, die er aber nicht finden konnte. "Wieso? Wie spät ist es denn?" fragte er irritiert. "Zehn vor sechs", kam die Antwort. Sam verschlug es die Sprache. War er so sehr in Gedanken versunken, dass er die Zeit total vergessen hatte? "Ich weiß, dass du noch zehn Minuten hast, aber normal bist du immer mindestens eine halbe Stunde zu früh da."

Lamberts Worte rissen ihn zurück in die Realität. "Ich bin in zehn Minuten da", meinte Sam und legte auf. Er hatte nun keine andere Wahl mehr, schlich ins Schlafzimmer zurück und zog sich leise an. Lautlos begab er sich zur Tür, die er ebenso leise schloss, wie er sich geöffnet hatte.

Er hatte keine Zeit zu verlieren, also öffnete er schnell seine Wohnungstür, angelte sich seine Tasche und verließ das Gebäude eiligen Schrittes. Zehn Minuten, wie wollte er das schaffen? Der langsam einsetzende Verkehr würde es unmöglich machen, in der versprochenen Zeit am Flughafen anzukommen. Trotzdem ließ Sam ein Taxi neben sich halten und stieg ein. "Schnell zum Flughafen Schönefeld", gab er dem gelangweilten Fahrer sein Ziel vor. Das Taxi setzte sich im engen Verkehr in Bewegung und Sam lehnte sich zurück. So hatte er sich den Abschied von Lia nun rein gar nicht vorgestellt.

Während der Fahrer gekonnt und schnell über die einzelnen Spuren der Bahn wechselte, kramte Sam sein Handy hervor. Inzwischen hatte er Lias Nummer im Telefonbuch gespeichert und genau in diesem Augenblick war er froh darüber. Er ließ die Nummer wählen und war nicht überrascht, dass nach kurzem Klingeln die Mailbox ranging. "Lia? Hier ist Sam. Es tut mir leid, dass ich so Hals über Kopf verschwunden bin, aber es ging nicht anders. Ich wollte dir nur sagen, dass... ich dich liebe." Er stockte einen Moment. "Ich rufe dich in den nächsten Tagen noch mal an. Bye." Nach diesen Worten legte er auf.

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 13:45

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Sie wurde wach, aus dem einfachen Grund, da die Seite rechts von ihr leer und kalt war. Verwirrt schaute sich Lia um, ging dabei noch einmal auf Nummer sicher und drehte sich zu ihrer linken um. Richard schlief noch. Mit irgendwie gemischten Gefühlen stand sie auf und suchte die Wohnung nach Sam ab. Nichts. Ihr Blick zur Uhr. Kurz nach sechs Uhr morgens. Sam war schon längst weg, stellte sie fest. "Hmpf, na toll, er hätte ja mal was sagen können", murmelte Lia völlig verschlafen vor sich hin. Die gemischten Gefühle wichen und machten der Traurigkeit platz. Er war gegangen, ohne ein Wort gesagt zu haben. Warum? Lia wusste keine Antwort darauf, wie so oft. Sie überlegte. "Nein, mein Lieber, so einfach kommst du mir nicht davon." Sie wirbelt auf dem Absatz rum, stürmte, ohne Rücksicht auf Verluste, das Schlafzimmer, zog sich um, gab Richard noch einen Kuss und rannte den Wohnungsflur entlang zur Tür. Im vorbei rennen, griff sie nach dem Autoschlüssel und ihrem Handy und sprintete den Hausflur, immer zwei Stufen auf ein Mal nehmend nach draußen. Vor der Tür stelle sie fest, dass sie nicht ihren Autoschlüssel gegriffen hatte, sondern den von Richard. Sie wollte keine Zeit verlieren und entschied sich dazu, den BMW zu nehmen. 'Der hat sowieso mehr unter der Haube als meiner', dachte sie sich, während sie einstieg und den Motor anließ.

Lia war innerhalb von wenigen Minuten auf der Hauptstraße gelandet und fuhr, mit weit aus höherer Geschwindigkeit, als erlaubt war, in Richtung Flughafen. Sie schreckte zusammen, als ihr Handy losging. Die Ruferkennung sagte ihr, dass es Richard war. "Hey?!" "Wo zum Teufel steckst du? Was machst du so´n Krach und wo ist Sam?" Raunte Richard am anderen Ende der Leitung. "Ich bin auf dem Weg zu Sam. Ich will ihn so nicht gehen lassen. Er hat kein Wort gesagt, dass er geht", schmollte sie durchs Handy. "Lia? Sam wird längst weg sein. Was du da treibst ist doch völlig sinnlos..." Lia würgte Richard ab. "Nein, sinnlos nur dann, wenn ich es nicht wenigstens versucht habe. Ich dreh jetzt nicht um, ich bin schon auf dem Berliner Ring."

"Du....Was? Wie? Lia?" Richard stockte der Atem, war sie doch erst vor ein paar Minuten los gefahren. Während des Telefonierens ging er durch die Wohnung und blieb am Sideboard im Flur stehen. Verwundert sah er Lias Autoschlüssel dort liegen. "Mit welchem Auto bist du unterwegs?" Fragte er mitten Mal alarmiert. "Mit deinem.....", gab sie kleinlaut zu, "es war aber keine Absicht, ich hab nicht gesehen, dass ich deinen Schlüssel gegriffen habe." Setzte Lia sich gleich zur Wehr. "Hmpf, schon gut. Tu mir bitte einen Gefallen und komm an einem Stück zurück, einverstanden?" Lia nickte, bis sie merkte, dass Richard, dass wohl nicht sehen würde. "Tschuldigung. Mein Nicken war nicht laut genug, hm?" Sie vernahm ein kurzes Lachen von Richard, verabschiedete sich dann von ihm und heizte weiter auf dem Berliner Ring Richtung Schönefeld.

Nachdem Lia die Freisprecheinrichtung wieder ausschaltete, sah sie, dass das Icon für die Mailbox blinkte. Verwundert schaltete sie wieder die Freisprecheinrichtung ein und wählte ihre Mailbox an. Was sie zu hören bekam, ließ sie schlucken und trieb ihr die Tränen in die Augen. "Warum denn so? Ausgerechnet jetzt? Arrrggghhh. Sam, du hast ein Timing....das geht schon gar nicht mehr", immer noch mit sich Selbstgespräche führend, fuhr Lia weiter und kam kurze Zeit später am Flughafen an.

Sie überlegte nicht lange, parkte den BMW in der nächst besten Lücke und machte sich auf, in die riesen Halle. Etwas verloren stand sie da. Obwohl es erst kurz nach sechs Uhr morgens gewesen war, herrschte schon jetzt reger Betrieb in der Flughafenhalle. Verzweifelnd sah sie sich um. Sie hatte nicht die geringste Ahnung, von wo der Flug von Sam ging und vor allem, wohin der Flug ging. Sie konnte noch nicht mal fragen. Sie setzte sich schnellen Schrittes in Bewegung und fing an, alles systematisch nach Sam abzusuchen, in der Hoffnung, dass sein Flugzeug noch nicht weg war. "Den kann man doch gar nicht übersehen!" Fing sie mal wieder an, mit sich selber zu reden und ließ ihren Blick, so weit es ging, über die gesamte Halle schweife. Keine Spur von Sam.

Sie war inzwischen am anderen Ende der Halle angekommen und stand nun vor den großen Schreiben, die das Rollfeld von der Halle trennten. Völlig entmutigt ließ sie sich an einer der Scheiben runter rutschen. "Was hab ich denn erwarten? Das er tatsächlich noch hier ist? Blödsinn", seufzend erhob sie sich wieder. Es machte nun wirklich keinen Sinn mehr, noch länger hier zu bleiben. Noch ein Mal ging ihr Blick nach draußen zu den Maschinen. Eine davon erweckte Lias Aufmerksamkeit, so eine Maschine hatte sie bisher noch nicht gesehen. Trotz der Umstände, dass sie wegen Sam hergekommen war, und eigentlich auf dem Heimweg war, verharrte sie noch einige Minuten und beobachtete interessiert, wie die Maschine betankt wurde. Was sie als nächstes zu sehen bekam, war Sam. Lia war nun wieder in heller Aufregung, wie sollte sie jetzt auf sich aufmerksam machen? Auf das Rollfeld würde sie, so ohne weiteres, nicht kommen. Sie kramte in Windeseile ihr Handy raus und hoffte inständig, dass Sam seins, noch nicht abgeschaltet hatte.

Während sie die Nummer wählen ließ, rannte sie wie ein aufgescheuchtes Huhn, die Strecke, der Scheiben auf und ab, bis sie endlich ein Freizeichen bekam und Sam an der Strippe hatte. "Saaaam? Vergiss es, du verlässt diese Stadt so lange nicht, bevor wir uns nicht noch mal gesehen haben", sagte sie ohne Punkt und Komma und ohne Luft geholt zu haben. "Lia?", begann Sam etwas geknickt, "ich bin bereits auf dem Flughafen...ich....es geht nicht....." Wieder war es Lia, die einfach dazwischen ging. "Was du nicht sagst. Sam? Sieh zu den großen Scheiben, siehst du das aufgescheuchte Huhn dahinter rum rennen? Mit dem Handy? Ja? Klasse! Das bin ich."

Sie konnte hören wie Sam mit jemanden sprach und sich kurz danach wieder Lia widmete. "Warte da", damit legte er auf. Lia schaute etwas ungläubig ihr Handy an, eher sie es wieder in der Hosentasche verschwinden ließ und aufblickte. Sie sah sich mitten Mal zwei Flughafenangstellen gegenüber stehen und wusste im ersten Moment nicht so recht, ob das nun Gut oder Schlecht war. "Würden sie uns bitte folge?!" Hörte sie einen der Beiden sagen. Wortlos folgte sie den Beiden und bemerkte, dass sie nach draußen geleitet wurde. Ihr Herz begann Luftsprünge zu machen. Als sie Sam auf dem Rollfeld vor der Maschine stehen sah, gab es für sie kein Halten mehr. Sie rannte einfach los.

"Sam", dabei fiel sie ihn um den Hals und wollte ihn einfach nicht gehen lassen. "Lia? Es tut mir leid. Ich wollte mich verabschieden, aber...." Lia unterbrach Sams Ausführungen und gab ihm einen Kuss. "Jetzt darfst du gehen", flüsterte sie ihn sein Ohr. "Du hast Glück. Wir wären eigentlich schon längst weg gewesen." Vernahm Lia hinter Sam eine Stimme. Sie schaute über Sams Schulter und grinste Lambert an. "Soll auch mal vorkommen, oder?" gab sie frech in seine Richtung ab. "Ja, soll vorkommen. Bekomm ich Sam jetzt wieder?" fragte dieser lachend. Lia gab Sam noch einen Kuss und löste sich dann endlich aus der Umarmung. "Ich meld mich, versprochen." Lia nickte nur zur Antwort. Sie musste das Rollfeld wieder verlassen, begleitet von den beiden Herren, die auf sie gewartet hatten.

Als Lia wieder die Wohnung betrat, kam ihr ein leckerer Geruch von frischen Brötchen entgegen. Automatisch steuerte sie die Küche an, in der sie auch ihren Mann fand. "Hey!" "Und? Hast du ihn noch erwischt?" Richard schlug ein breites Grinsen entgegen. "Was denkst denn du, hm?" Damit setzte sie sich mit an den Tisch. Schnell merkte sie, dass ihr Sam fehlte, da er in den letzten Tagen immer mit hier am Tisch gesessen hatte. Ihre überschwängliche Freude darüber, dass sie Sam noch erwischt hatte am Flughafen, wechselte schlagartig in eine trübe Stimmung um, welche Richard nicht entging. "He? Es ist nicht für immer, dass weißt du auch." Seufzend nickte sie und versuchte sich ihre Stimmung nicht anmerken zu lassen. "Lia? Wir sind Morgen um diese Zeit auch schon unterwegs nach Südamerika", versuchte Richard sein Glück noch ein Mal, um Lia aufzubauen. Wieder nur stummes Nicken ihrerseits.

Lia war froh über die Ablenkung, die sie bis zum Abflug nach Südamerika noch bekam. Emu hatte alles veranlasst und sich um alles gekümmert, so dass Lia so gut wie gar nichts von dem ganzen Aufwand mitbekam. Erst am Flughafen, wurde ihr wieder bewusst, mit wem sie verheiratet war. Den Fans war es offensichtlich nicht entgangen, dass die Band wieder auf Tour ging und so stand eine Vielzahl an Fans, bereits in aller Herrgottes Frühe am Flughafen, um noch einmal einen Blick auf ihre Band werfen zu können, bevor diese für knappe drei Monate nach Südamerika flog. Sie hatten eine gute Stunde gebraucht, bis sie endlich in den Flieger konnten, um kurz darauf auch gleich abzuheben. Lia hatte bisher nicht viel von dem ganzen Drumherum mitbekommen, das mit der Band zu tun hatte. Es war das erste Mal für Sie, auch das sie Richard auf einer Tour begleitete.

"Alles in Ordnung bei dir?" Riss Richard sie aus ihren Gedanken. "Hm?" Lia war seit der Abreise von Sam, kaum noch zu gebrauchen gewesen. Immerzu versank sie in Gedanken und wirkte abwesend. Dieser Zustand hielt nun schon seit einigen Wochen an und Richard hatte oftmals Mühe mit Lia überhaupt ein Gespräch anfangen zu können. Lia versuchte sich zusammen zu reißen. Ihr entging nicht, dass es Richard zu schaffen machte, dass sie so mit ihren Gedanken und Gefühlen bei Sam war. "Mir geht es gut", antwortete sie hastig, bevor Richard noch ein weiteres Mal fragen musste. Ihr kam ein Seufzen entgegen. "Hört das auch mal wieder auf?" Wollte Richard ernst wissen. Sie blickte ihn traurig an. "Ich versuch es, versprochen. Es tut mir leid", entgegnete sie. "Das brauch es nicht. Es wäre nur schön, wenn du nicht immer so abwesend wärst. Ich hab manchmal den Eindruck, dass du gar nicht bei mir bist." Lia hatten ihren Blick schon wieder dem Fenster gewidmet und sah sich die vorbei huschende Landschaft an. Sie war noch nie in ihrem Leben so viel mit einem Bus unterwegs gewesen, wie jetzt. Ohne sich von dem Fenster abzuwenden sprach sie weiter mit Richard.

"Doch das bin ich...." Richard musste widerspreche. "Nein, dass bist du nicht. Lia? Weswegen ist Sam zurück in die Staaten geflogen? Nicht wegen der Arbeit, oder?" Sie zuckte unwillkürlich zusammen. Sie hatte geahnt, dass Richard irgendwann fragen würde, aber wusste genau, dass sie ihm nichts von dem Vorfall auf dem Parkplatz erzählen würde. "Lia?!" Wieder ein Zucken. Sie überlegte. Sam hatte ihr von seiner Tochter erzählt. Hatte er es auch Richard erzählt? Sollte sie es ihm erzählen? Sie würde wohl müssen. Richard würde so oder so ein Antwort verlangen. Eine, die Lias ständige, gedankliche, Abwesenheit plausibel erklären würde. Schließlich blickte sie ihre Mann wieder an und begann, dass zu erzählen, was sie von Sam wusste, über seine Tochter, deren Tod und damit zusammen hängend das Gefühlschaos von Sam.

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 13:46

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Richard war schockiert, hatte Sam doch nie darüber gesprochen. Lia konnte sehen, wie seine Gedanken arbeiteten. "Warum hat Sam nie etwas davon gesagt?" Richards Frage wurde ohne Zögern von Lia beantwortet: "Es ist ihm schon schwer genug gefallen, es mir zu sagen." Nun war Richard derjenige, der abwesend wirkte. Er musste nachdenken und dieses Teil in das Puzzle um Sam an der richtigen Stelle einsetzen. Manchmal war dieser Typ einfach zum Verzweifeln. Ein Klingeln riss ihn aus seinen Gedanken. Lias Handy.

Sam saß auf der Couch und starrte den laufenden Fernseher an. Den Nachrichten folgte eine Reportage über den Nahen Osten. Der Krieg im Irak. Die Unruhen in Afghanistan. Das Aufplustern des Iran. Nichts, was Sam hätte verhindern können. Aber alles Orte, an denen er sich von einem auf den anderen Tag wiederfinden konnte. "Sam?" Es war Lambert, der ihn aus seiner Starre erweckte. "Hm?" Das Sam nicht sehr gesprächig war, wusste Lambert. Und es war immer eine Eigenschaft gewesen, die er sehr geschätzt hatte.

In den letzten Wochen war Sam jedoch dazu gezwungen gewesen, zu reden. Sein Innerstes nach außen zu kehren. Irgendwie hatte Lambert seinen Chef davon überzeugen können, dass er der beste Psychologe für seinen Schützling war. Und jetzt, nachdem es nichts mehr zu sagen gab, waren Lambert viele Dinge klar geworden. So teilnahmslos sich Sam manchmal auch verhielt, es gab kaum Dinge, die ihm entgingen. Und die meisten Sachen berührten ihn mehr, als er nach außen vermuten ließ. Obwohl Lambert Sam nun schon so lange kannte, hatte er nie vermutet, was er alles gehört hatte. Sein einziger Rat konnte daher nur sein, dass Sam viel offener damit umgehen sollte. Er wusste, dass es schwer werden würde. Aber auf die Dauer gesehen wäre es für Sam besser.

"Denk' nicht immer über alles so viel nach", sagte Lambert schließlich. Er erntete nur einen stummen Blick von Sam. "Wenn du Lia sehen willst, dann steig in den Flieger und flieg nach Südamerika!" Sam wunderte sich erst ein wenig, aber ihm wurde schnell klar, dass Lambert ihn jetzt viel besser einzuschätzen wusste. "Aber eine Sache will ich noch von dir wissen", brach Lambert leise die Stille. Sam ahnte, welche Frage kommen würde und suchte verzweifelt nach einer Antwort. "Warum hast du dich so plötzlich doch dazu entschieden, einen Psychiater aufzusuchen?"

Die Erinnerungen an die Geschehnisse auf dem Parkplatz schwirrten durch Sams Kopf. Sollte er es Lambert sagen? Oder sollte er ihm irgendeine Lüge auftischen? "Ich kann es dir nicht sagen", stellte Sam stattdessen fest. Lambert zog die Stirn kraus. "Hat es was mit Lia zu tun?" Sam nickte nur und sein Freund beließ es dabei. Aus irgendeinem Grund wollte er in diesem Zusammenhang nicht mehr wissen.

Die Sonne stand tief und ließ einen letzten Rest sommerlichen Flairs über die sanften Hügel von Maryland flackern. Sam saß auf der typisch amerikanischen Veranda vor seinem Haus auf dem harten Holzboden. Er hatte die Beine angewinkelt und seine Arme über die Knie gelegt. Fasziniert beobachtete er, wie der rötlich angehauchte Fixstern langsam am Horizont versank. Seufzend griff er zu seinem Handy, das neben ihm auf dem Holz lag. Die Beleuchtung von Tastatur und Display schien ihm entgegen, als er das Mobiltelefon öffnete. Zielsicher suchte er Lias Nummer. Er musste einfach ihre Stimme hören.
Schon nach dem zweiten Klingeln war sie dran.

"Sam?" Er musste grinsen. "Hey, wie geht es dir?" fragte er dann. "Ich vermisse dich", kam ihre kurze Antwort. Sam schwieg. "Bist du noch dran?" "Ja." "Verdammt, Sam! Wenn du schon anrufst, dann sollten wir auch miteinander sprechen, oder?" Sam zögerte einen Moment. Nein, er würde Lia nichts von seinem Vorhaben erzählen. "Es tut mir leid, ich wollte nur deine Stimme hören", gab er daraufhin zurück. "Wirst du zuhause sein, wenn wir von der Tour wiederkommen?" "Ja, ganz bestimmt." "Versprochen?" Wieder musste Sam grinsen. "Ist versprochen." "Ich muss Schluß machen, sonst reißt mir Emu den Kopf ab."

Das Gespräch war genauso schnell vorbei, wie es begonnen hatte. Einen kurzen Moment überlegte Sam nach dem Auflegen, nur um dann die Nummer von Lambert zu wählen. "Hm? Hab ich was vergessen?" kam die sofortige Frage. "Nein, aber ich müsste dich um einen Gefallen bitten", antwortete Sam. "Und der wäre?" Misstrauisch wartete Lambert auf Sams Worte. "Würdest du für mich bitte ne Handynummer orten?" Lamberts harte Gesichtszüge lockerten sich ein wenig. Er wusste worum es ging. "Klar, kein Problem. Gib mir die Nummer und ich ruf dich gleich zurück. Brauchst du auch einen Flug?" Sam staunte darüber, wie gut Lambert ihn doch inzwischen kannte. "Ja, das wäre nett."

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 13:46

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Nachdem Lia mit Richard gesprochen hatte, was mit Sam los war, ging es ihr ein wenig besser. Sie merkte auch für sich, dass es für ihren Mann nun ein wenig leichter war, die Abwesendheit von Lia zu verstehen.

"Jetzt komm schon du Trödeltante", Emu hing in der Eingangstür des Busses und wartete ungeduldig auf Lia. "Ja doch, bin ja schon unterwegs." Sie huschte schnell an Emu vorbei und suchte sich ihren Platz neben Richard. Etwas verwundert sah dieser sie an, da Lia grinste wie so ein Honigkuchenpferd. "Sam hat sich eben gemeldet", erklärte sie. "Aha", kam von Richard nun erleichtert. Die Band war irgendwie total aufgekratzt, was wohl auch daran lag, dass die Tour sich ihrem Ende neigte. Emu hatte es inzwischen aufgegeben, Ruhe rein zu bringen. Es war einfach nicht möglich. "Meine Herren?" Mahnte er, "geht das vielleicht auch in bisschen zivilisierter?" Statt das es ruhiger im Bus werden sollte, nach der Ermahnung, wurde es nur noch chaotischer. Keiner der Männer, hatte gerade so die Lust dazu, sich etwas sagen zu lassen. Es war der letzte Gig, danach ging es nach Hause. Dementsprechend ausgelassen war auch die Stimmung.

Lia beobachtete stillschweigen, dass illustre Treiben der Band und wie sie es immer wieder schafften, ihren Manager an den Rand der Verzweiflung zu treiben. Amüsiert verfolgte sie einige zwanglose Schlagabtausche zwischen den Männern und Emu. Sie musste lachen, hatte Emu doch anscheinend nicht mehr die geringste Kontrolle über die Chaoten. Sie bemerkte, wie Richard sie, die ganze Zeit über, beobachtete. "Hm? Was ist?" Fragte sie schließlich. "Nichts weiter, ich freu mich nur auf zuhause." "Na? Was meinst du wer noch, hm?" Grinste sie an. "Wird Sam da sein?" Kam eine Gegenfrage. "Ich weiß es nicht, er hat gesagt, dass er da sein wird." "Klingt doch gut." Lia verzog das Gesicht. "Na hoffentlich ist es dann auch so." Richard seufzte. "Warum denn nicht? Wenn er gesagt, dass er da sein wird, wird es wohl so sein, hm?"

Lia hatte jetzt keine Lust mehr, das Thema weiter durch zu kauen. Sie würde es gewahr werden, ob Sam in Berlin sein würde oder nicht. Stattdessen kuschelte sie sich bei Richard an. "Oooch nu kick ma....isset nicht niedlich?" Paul entging das Kuscheln von Lia und Richard nicht und sah sich gezwungen, die Beiden ein wenig aufzuziehen. "Hmpf, du bist doch bloß neidisch", kommentierte Lia von Richards linker Seite. "Ick? Nie im Leben...." Paul wurde von Emu unterbrochen. "Hebt euch eure Sticheleien für später auf. Wir sind wieder am Hotel. Ruht euch jetzt noch aus...." Emu überdachte seinen letzten Satz. "Macht ihr wahrscheinlich eh nicht, also macht was ihr wollt, aber bitte seit wieder pünktlich am Bus." Damit war Emu aus dem Bus verschwunden und kurz darauf folgen ihm auch die anderen ins Hotel.

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 13:47

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Sam wurde durch ein leichtes Rütteln an seinen Schultern geweckt. "Sam? Wach auf!" Es war wieder einmal Lamberts Stimme. Das laute Dröhnen der Rotoren erinnerte Sam daran, dass er sich in einer Osprey befand. Lambert hatte ihm den privaten Flug nach Buenos Aires organisiert und dafür gesorgt, dass er ausgeschlafen dort ankam. Als Sam Lambert mit seinen grünen Augen fixierte, registrierte dieser endlich, dass Sam wach war. Langsam setzte sich Sam auf. "Du hast jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder du springst mit dem Fallschirm ab und landest in der Stadt. Oder wir setzen dich etwas außerhalb über die Rampe ab und du musst zu Fuß in die City laufen."

Sam überlegte. Fallschirmspringen. Das war nie sein Ding gewesen und trotzdem war er bestimmt schon hundert Mal aus der Osprey gesprungen. Richtig abgestürzt war er bisher zum Glück nie. Aber warum sollte er sein Glück strapazieren? Auch in Buenos Aires würde es wohl Taxen geben, die ihn zum Hotel bringen konnten. "Ich hab lieber festen Boden unter den Füßen", entgegnete Sam nach reiflicher Überlegung. Überrascht sah Lambert ihn an. "Kein Risiko?" Grinsend wuschelte er einmal kurz durch Sams kurze Haare und deutete damit an, dass es ein Scherz gewesen war. Auch Sam lächelte leicht.

Es war inzwischen mitten in der Nacht und Sam erreichte erschöpft das Hotel. Den gesamten Weg vom südlichen Ende der Stadt hatte er zu Fuß laufen müssen. Nicht einen Wagen hatte er entdecken können. Die riesige Metropole wirkte wie ausgestorben. Sam war sich nicht sicher, ob Richard und Lia vom Auftritt bereits zurück waren. Daher ging er zum Nachtportier des Nobelhotels, den er in perfektem Spanisch nach der entsprechenden Zimmernummer fragte.

Nach einigen Diskussionen mit dem Mann am Empfang, hatte Sam endlich die Nummer und stand nun etwas ratlos vor der Tür. Sollte er einfach mit seinen Dietrichen die Tür öffnen? Nein, das war keine gute Idee. Klopfen? Mitten in der Nacht? Eindeutig die bessere Methode. Also klopfte Sam vorsichtig und zu seiner Überraschung dauerte es nicht lange, bis ein verschlafen aussehender Richard ihm in der Tür gegenüber stand. "Sam??" kam ungläubig von Richard. Im gleichen Moment drehte er sich um und sah zu Lia, die noch schlief. "Sag mir, dass ich träume", sagte er, als er sich wieder Sam zuwandte.
Sam konnte sich das Grinsen nicht verkneifen und antwortete: "Sorry, dass ich hier mitten in der Nacht auftauche, aber früher ging es nicht." "Komm erstmal rein", stellte Richard, nun etwas wacher, fest. Zusammen gingen sie in das nur schwach erleuchtete Hotelzimmer und Sam ließ sich in einem der beiden Sessel nieder. Er war froh, endlich sitzen zu können. Richard machte sich derweil daran, Lia zu wecken.

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 13:47

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Lia wurde nur schwer wach, hatte sie doch das Gefühl gehabt, dass sie erst vor wenigen Minuten eingeschlafen war. Sie wühlte unter ihrer Decke, als Richard ihr vorsichtig durchs Gesicht strich. "Mhmhmh....lass das", murmelte sie versteckt unter ihrer Decke. Richard sagte nichts, gab aber nicht auf, und versuchte weiterhin Lia aus dem Schlaf zu holen. Sie war total gerädert, kaputt und erschöpft zu gleich. Sie wollte einfach nicht richtig wach werden. Demonstrativ drehte sie Richard den Rücken zu und drehte sich noch enger in die Decke ein. Richard lächelte, war dies doch eine typische Reaktion von ihr gewesen, wenn sie nicht aufstehen wollte. Sam sah sich das Ganze vom Sessel aus an und grinste. Lia lag unter ihrer Decke und stellte sich weiterhin schlafend. Was Richard auch wollte, es konnte wohl bis zum Morgen warten. Richard versuchte gar nicht erst mit Lia ein Gespräch anzufangen. Es würde zu einem Monolog ausarten.

Stattdessen versuchte er die Decke von Lia weg zu streifen, was sie jedoch zu verhindern wusste und diese festhielt. "Menno", maulte sie, "was willst du? Hat das nicht Zeit, bis nach dem Aufstehen?" Lia war unerträglich, wenn man sie auf dem Schlaf holte, aber Richard wollte sich einfach nicht ihre Reaktion entgehen lassen, wenn sie mitbekam, dass Sam hier ist. Richard kam aus dem Grinsen nicht raus. Schließlich drehte sich Lia wieder zu ihm um und sah ihn an. "Also gut, ich bin wach, was willst du?" Fragte sie forsch. Immer noch kam ihr ein Grinsen entgegen, das sie nicht einzuordnen vermochte. "Hmpf, was grinst du denn so? Was ist? Was ist so wichtig, dass du mich mitten in der Nacht aus dem Schlaf holst?" "Mitten in der Nacht? He? Wir sind doch erst wieder gekommen", stellte Richard, zu seiner Verteidigung, klar. Immer noch verwirrt und müde sah sie ihren Mann an. "Ich höre? Kerl?"

Nun war es an Sam, Lia aus ihrer nächtlichen Verwirrung zu befreien. Er erhob sich aus dem Sessel und steuerte zielstrebig das große Bett an. Da das Zimmer nicht sehr hell erleuchtet war, erschrak Lia zunächst, als sie die Bewegung im hintern Teil des Zimmers wahrnahm, bevor sie die ihr bekannten Konturen von Sam erkannte. Sie war mitten Mal hell wach. "Saaaaaaaaaaaaam!" Sie wickelte sich aus ihrer Decke, stürzte aus dem Bett und sprang Sam um den Hals. "Du....also....wie?" Sie war grad nicht im Stande, einen vernünftigen Satz heraus zu bekommen, viel zu aufgeregt war sie, dass Sam hier war. Richard hatte mit so einer ähnlichen Reaktion gerechnet, aber das diese so heftig ausfallen würde, dass konnte er auch nicht wissen. Es war so ähnlich, wie damals in seiner Berliner Wohnung, als er Sam mit ins Wohnzimmer gebracht hatte. Lia war inzwischen mit Sam in einen langen Kuss verfallen. Die Sehnsucht, die Lia nach Sam hatte, war im ganzen Raum spürbar.

Lia schwindelte es und ihr wurde kurzzeitig schwarz vor Augen. War doch das überhastete aufspringen aus dem Bett, zu viel für ihren Kreislauf gewesen. Sie legte ihren Kopf bei Sam kurz auf dessen Schulter ab und schloss ihre Augen, um der aufkommenden Schwärze entgegen zu wirken. Sie dachte jetzt gar nicht daran Sam los zu lassen. Würde sie es tun, hätte das wohl zur Folge, dass sie ohnmächtig werden würde. "Warum hast du nichts gesagt am Telefon?" Sprach sie leise und immer noch um ihre Besinnung kämpfend. Sam grinste. "Ich wollte euch überraschen." "Das ist dir wohl gelungen." Richard saß immer noch auf dem Bett und beobachtete Lia und Sam.

Sam bemerkte, dass es Lia offensichtlich nicht gut ging. "He? Alles in Ordnung bei dir?" Flüsterte er ihr fragend ins Ohr. Sie nickte nur stumm. Er brachte Lia wieder zum Bett, wo sie sich von Sam los machte. "War wohl ein wenig zu schnell, wie?" Grinste Richard, dem das Ganze auch nicht entgangen war. Lia fing an zu schmollen. "Na und? Ist doch nichts passiert", entgegnete sie und zog im gleichen Atemzug Sam zu sich auf das Bett. Dieser suchte sich auch gleich eine bequemere Position, um Richard und Lia ansehen zu können. Lia ließ sich nicht lange bitten und krabbelte zu Sam rüber, um sich dann an ihn kuscheln zu können. Richard beobachtete immer noch die Zwei, bevor er sich dazu entschloss, es Lia und Sam gleich zu tun. Er robbte näher an Lia ran und gab ihr einen Kuss, nach dem er diesen beendet hatte, wandte er sich Sam zu und gab ihm auch einen innigen Kuss.

Da Lia genau zwischen den beiden Männer lag, beobachtete sie interessiert, wie sich die Beiden küssten. Ein angenehmes Kribbeln machte sich in Lias Magengegend breit. Es war einfach zu faszinierend Richard und Sam dabei zu beobachten, wie sie sich küssten. Immer noch wie gebannt, schaute Lia zu und bemerkte im ersten Moment gar nicht, dass Sam den Kuss bereits beendet hatte. "Wusstet ihr, dass man hier in der Nacht, nicht ein Taxi bekommt?" Richard und Lia sahen Sam fragend an. "Wie? Kein Taxi? So weit isses doch gar nicht vom Flughafen hierher", meinte Lia. Sam fing leicht an zu grinsen. "Nein, dass wohl nicht, wenn ich denn vom Flughafen gekommen wäre." "Hmpf! Musst du immer in Rätseln sprechen? Wie nicht vom Flughafen? Von wo denn sonst?" Das war etwas, womit Lia nicht so wirklich zu recht kam. Warum konnte Sam nicht einfach sagen, von wo er herkam und warum er nicht vom Flughafen kam. Nach einer Antwort verlangend, sah sie ihn an. Ihre Blicke trafen sich. "Schon gut, ich glaub ich will gar nicht wissen, warum du nicht, wie jeder normale Mensch den Flughaften benutzt hast", lenkte sie schließlich ein. "Es hat wohl irgendwas mit deinem Job zu tun, hm?" Zumindest das wollte Lia wissen, um sicher zu gehen, dass sie nicht völlig auf dem Holzweg war. Wieder mal nur ein Grinsen von Sams Seite her. "Alles klar, schon gut", mehr wollte sie nicht wissen, den Rest konnte sie sich irgendwie selber zusammen puzzeln.

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Donnerstag, 18. Oktober 2007, 13:48

Re: Neuanfang mit Hindernissen

Überraschenderweise sollte Lia aber dennoch eine Antwort bekommen. "Hätte ich einen Linienflug genommen, wäre ich nicht mehr rechtzeitig hier gewesen", sagte Sam. Verwundert sahen Richard und Lia ihn an, hatte er doch sonst eher durch übertriebene Schweigsamkeit geglänzt. Sam ließ sich rücklings in die Kissen fallen. "Wie wäre es mit einer Runde schlafen? Ich bin stehend k.o. nach dem Fußmarsch", stellte er leise fest. Lia und Richard sahen einander fragend an, krabbelten dann aber unter die Decke. "Du willst doch wohl nicht in voller Montur in die Koje, oder?" Sam musste über Lias Frage schmunzeln.

Schließlich raffte er sich auf und entledigte sich seiner Kleidung, bevor auch er unter die Decke kroch und sich an Lia kuschelte. "Ihr habt mir gefehlt", flüsterte er ihr leise ins Ohr. Lia konnte nur noch erstaunt sein über Sams plötzliche Offenheit. Sie erwartete, dass wieder einer seiner Umschwünge kommen würde, doch Sam hielt sie mit ihrem Rücken fest an sich gedrückt und küsste ihren Nacken. Auch Richard rückte nun näher an Lia heran. Es dauerte nicht lange, da waren die Drei eingeschlafen.

Der nächste Morgen begann mit einem lauten Hämmern an der Tür. "Richard! Lia! Aufstehen!" Es war Emu, der seinen alltäglichen Weckrundgang vollzog. Richard war sofort hellwach. "Ist ja gut, wir sind gleich so weit." Lia zog sich die Decke über den Kopf und Sam knurrte irgendetwas, was sich wie ein "Muss das sein" anhörte. Richard verschwand ins Bad, er würde eh am Längsten brauchen.

Lia war über Sams Reaktion überrascht und drehte sich zu ihm um. "Seit wann bist du denn ein Morgenmuffel?" "Seitdem ich mitten in der Nacht nen Marsch von guten zwanzig Kilometern hinter mir hab", kam grummelnd zurück. Lia beließ es dabei und eine halbe Stunde später erschienen die Drei im Restaurant zum Frühstück. Emu sah verwundert auf, als er Sam bemerkte. "Wo kommt der denn her?" fragte er irritiert und erntete von Sam nur einen bösen Blick. "Wäre es möglich, dass er mit uns heute zurück fliegt?" fragte Lia und hoffte, dass Emu zustimmen würde.

"Wir fliegen heute nicht", merkte Emu an. "Waaaas?" Ihm schlugen die fragenden Blicke der gesamten Band entgegen. "Die Fluglotsen befinden sich im Streik. Es startet und landet keine einzige Maschine heute in Argentinien." Die Erklärung ließ alle betreten schweigen. "Na toll", bekam Richard nur genervt heraus. "Damit habt ihr den Tag frei", grinste Emu seine Schützlinge zweifelnd an.

Es war inzwischen Mittag und Richard, Sam und Lia hatten beschlossen, sich ein wenig die Gegend anzusehen. Sie hatten sich einen Jeep gemietet und waren Richtung Campara gefahren, nur um vorher abzubiegen und über eine matschige Strasse durch den Regenwald zu gondeln. Sam hatte es sich auf der Rückbank bequem gemacht und döste vor sich hin, während Richard nach den Angaben von Lia nach dem richtigen Weg suchte. "Wie spät ist es?" wollte Lia wissen. "Kurz vor drei", entgegnete Richard knapp. "Dann sollte wir langsam umkehren, hm?" Lia fühlte sich trotz des klimatisierten Wagens in der Dschungel-Umgebung nicht wohl. Richard wendete kurzerhand das Fahrzeug und schlug den Rückweg ein.

Sie waren eine halbe Stunde gefahren, als plötzlich der Motor zu stottern begann. Sofort war Sam hellwach. "Was ist los?" fragte er nach. "Irgendwas stimmt mit dem Wagen nicht", gab Richard zurück. "Hört sich so an, als wenn der Tank leer wäre", stellte Sam fest. Ungläubig sah Richard ihn an. "Die Tankanzeige steht auf halb voll!" Sam grinste. "Das hat hier nichts zu bedeuten", sagte er. Lia hatte das Gespräch der Beiden stumm verfolgt. Als das Gefährt schließlich ganz stehen blieb, kramte sie ihr Handy hervor, nur um entgeistert festzustellen, dass sie kein Netz bekam.

"Verdammt, ein Funkloch", gab sie zur Kenntnis.
"Wie fast überall im Regenwald", meinte Sam leise. Er kannte sich scheinbar bestens aus. "Und nun?" fragte Richard genervt. Sam orientierte sich einen Augenblick und ließ sich dann von Lia auf der Karte zeigen, wo sie sich befanden. Er verzog kurz nachdenkend das Gesicht, bevor er antwortete: "Am Besten wir verlassen den Wagen nicht. Das ist Guerilla-Gebiet. Sobald wir aussteigen, sacken die uns ein." "Also warten wir, bis jemand vorbei kommt?" Wieder war es Richard, der fragte. "Hier wird niemand vorbei kommen. Zumindest nicht in den nächsten drei Tagen." Sam wusste, dass nicht viele Menschen sich über diese Strassen in den Dschungel wagten.

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